Forscher-Krimi Columbus' Grab identifiziert

Wo liegen die sterblichen Überreste von Christoph Columbus? Seit mehr als 100 Jahren streiten Experten darüber, wo der berühmte Entdecker seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Jetzt glauben spanische Forscher, das Rätsel per Erbgut-Analyse gelöst zu haben.


Madrid - 500 Jahre nach dem Tod von Christoph Columbus hat eine DNA-Analyse den Streit über die Grabstätte des Entdeckers offenbar zu Gunsten Spaniens entschieden. Experten haben Erbgut, das aus Knochen aus dem Columbus-Grab in der Kathedrale von Sevilla gewonnen wurde, mit DNA von Columbus' Bruder Diego verglichen, der ebenfalls in Sevilla begraben ist. Das Ergebnis beweise, dass der am 20. Mai 1506 gestorbene Seefahrer tatsächlich in der südspanischen Stadt bestattet sei, erklärte der Historiker Marcial Castro.

Bisher hatte auch die Dominikanische Republik das Grab des Amerika-Entdeckers für sich beansprucht. Columbus landete 1492 auf der Antilleninsel Hispaniola, die heute die Dominikanische Republik und Haiti umfasst. Die dort zuständigen Behörden weigerten sich jedoch, den Wissenschaftlern Proben aus einer Gedenkstätte für Columbus zur Verfügung zu stellen. Das Team wurde von Jose Antonio Lorente, dem Direktor des Labors für genetische Identifikation der Universität von Granada geleitet, das regelmäßig mit dem amerikanischen FBI zusammenarbeitet.

Das Grab in Sevilla sei nunmehr eindeutig als das von Christoph Columbus identifiziert, betonte Castro. "Es gibt eine absolute Übereinstimmung zwischen der Mitochondrien-DNA von Columbus und seinem Bruder", sagte der Historiker. "Jetzt ist es notwendiger und spannender denn je, die sterblichen Überreste in der Dominikanischen Republik zu studieren", so Castro. Es gelte herauszufinden, wer dort bestattet sei. Columbus jedenfalls könne es nun nicht mehr sein.

Columbus starb am 20. Mai in Valladolid und wurde noch am selben Tag dort bestattet. Er wollte in Amerika beerdigt werden, doch drei Jahre später wurden seine sterblichen Überreste in eine Abtei auf La Cartuja, eine Insel in einem Fluss bei Sevilla, gebracht. 1537 soll Maria de Rojas y Toledo, die Witwe von Columbus' Sohn Diego, die Knochen beider Männer zur Kathedrale von Santo Domingo auf der karibischen Insel Hispaniola bringen lassen, wo sie erneut bestattet werden sollten.

Dort lagen die Knochen bis 1795, als Spanien die Antillen-Insel Hispaniola an Frankreich abtrat und die Überreste des großen Entdeckers nicht in die Hände der Franzosen fallen lassen wollte. So gelangten die Überreste über Kuba nach Sevilla. 1877 aber gruben Arbeiter in der Kathedrale von Santo Domingo eine Bleikiste aus, auf der Columbus' Name vermerkt war. Die Bewohner der Insel glaubten seitdem, im Besitz der echten Columbus-Knochen zu sein.

mbe/AP



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