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26. Dezember 2005, 11:12 Uhr

Forscherskandal

Hwang soll keine einzige maßgeschneiderte Zelle geklont haben

Das Ausmaß des Klonskandals um den umstrittenen Forscher Hwang Woo Suk soll größer sein als bisher angenommen. Der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge hat Hwang seine gefeierte Studie zur Stammzellenforschung nicht nur in Teilen, sondern komplett gefälscht.

Seoul - Wie die Nachrichtenagentur Yonhap heute berichtet, hat Hwang offenbar keine einzige maßgeschneiderte Stammzelle für Patienten hergestellt. DNA-Tests hätten ergeben, dass keine der von Hwang vorgestellten Stammzelllinien durch Klonen entstanden seien, berichtete Yonhap ohne Angaben einer Quelle. Vertreter der Nationalen Universität in Seoul wollten die Informationen zunächst nicht bestätigen. Sie verwiesen auf eine Pressekonferenz am Donnerstag, auf der das Ergebnis der Untersuchungen vorgestellt werden sollte.

Forscher Hwang: Falsche Hoffnungen geweckt?
REUTERS

Forscher Hwang: Falsche Hoffnungen geweckt?

Die im renommierten Fachblatt "Science" vorgestellte Studie hatte im Mai weltweit Aufsehen erregt. Darin versicherte Hwang, er habe erstmals maßgeschneiderte Stammzellen für elf Patienten hergestellt. Ein Untersuchungsausschuss der Universität in Seoul hatte jedoch bereits in der vergangenen Woche festgestellt, dass neun der Stammzelllinien gefälscht waren. Zu den restlichen beiden Linien wollte er sich zunächst nicht äußern, sondern forderte weitere DNA-Tests von unabhängigen Instituten an. Laut Yonhap liegen deren Ergebnisse seit Samstag den Ausschussmitgliedern vor.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur befragte der Ausschuss gestern zudem Hwangs engen Mitarbeiter Kim Seon Jeong. Dieser hatte angegeben, die Daten in der Studie auf Anweisung seines damaligen Chefs gefälscht zu haben. Hwang weist die Vorwürfe zurück und verdächtigt seinerseits seinen ehemaligen Mitarbeiter, die ursprünglichen maßgeschneiderten Linien gegen ganz normale Stammzellen ausgetauscht zu haben.

Die Studie hatte damals Hoffnungen auf einen Durchbruch beim sogenannten therapeutischen Klonen geweckt. Experten hoffen, dass sich mit Stammzellen schwere Krankheiten wie Parkinson behandeln lassen. Eigens für Patienten maßgeschneiderte Stammzellen hätten zusätzlich den Vorteil, dass sie nicht abgestoßen würden. Inzwischen gibt es auch Zweifel an Hwangs weiteren Arbeiten. Unter anderem hatte der Forscher 2004 die ersten geklonten embryonalen Stammzellen präsentiert sowie 2005 den ersten Klonhund, Snuppy.

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