Forschungszentrum Jülich Verschollener Atommüll soll in Zwischenlager sein

Die Behörden in Nordrhein-Westfalen rätseln über den Verbleib von mehr als 2000 Brennelementkugeln aus dem Atomforschungszentrum Jülich. Nun scheint die Frage geklärt - nach Angaben des Zentrums befindet sich der Atommüll auf dem Gelände der Einrichtung.
Castor-Behälter in Jülich: Brennelementkugeln laut Forschungszentrum auf Gelände

Castor-Behälter in Jülich: Brennelementkugeln laut Forschungszentrum auf Gelände

Foto: Oliver Berg/ dpa

Essen - Die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung vermissten 2.285 Brennelementkugeln sind nach Angaben des Forschungszentrums Jülich nicht verschwunden, sondern befinden sich in einem Zwischenlager auf dem Gelände. Das sagte FZJ-Sprecherin Anne Rother den Zeitungen der "WAZ"-Mediengruppe. Damit widersprach sie Spekulationen, wonach die hochradioaktiven Kugeln im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse lagern könnten.

Nach Angaben Rothers sind die vermeintlich verschwundenen Kugeln zerbrochen. Sie befinden sich demnach teilweise noch in dem Reaktorbehälter des ehemaligen Atomversuchskraftwerks in Jülich oder sind "lagerfähig einzementiert". Rother erklärte: "Bei den einzementierten Kugeln handelt es sich im Wesentlichen um Kugeln, die während der Betriebszeit des Versuchsreaktors zerbrochen sind und dem Forschungszentrum vom damaligen Betreiber zur Zwischenlagerung übergeben wurden." Daneben seien Kugeln für Forschungszwecke untersucht und ebenfalls einzementiert worden.

Der bisherige Verbleib in Jülich sei der Landesregierung Nordrhein-Westfalens bekannt gewesen. Dies dementieren nach Informationen der Zeitungen aber politische Kreise. Die Landesregierung hatte nach SPIEGEL-Informationen in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen erklärt, der Verbleib sei unklar. NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) hatte das Forschungszentrum und die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor aufgefordert, "den Verbleib der Kugeln lückenlos zu dokumentieren".

Schulze ging davon aus, dass Brennelementkugeln "allem Anschein nach" im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse gelandet seien. Genau lasse sich das heute nicht mehr herausfinden, weil die in der Asse "eingelagerten Mengen nicht bekannt sind".

In der Asse durften allerdings nur schwach und mittelradioaktive Abfälle der Republik gelagert werden - keine Brennelemente. Das Land fordert von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) Aufklärung über die Kugeln.

ulz/dapd/dpa
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