Historische Franklin-Expedition Großbritannien will legendäre Arktis-Wracks an Kanada übergeben

1845 brach Polarforscher Franklin mit der HMS "Terror" und der HMS "Erebus" auf, um die Nordwestpassage zu finden. Alle 129 Expeditions-Teilnehmer starben. Nun sollen die Schiffwracks den Besitzer wechseln.
Diese Illustration zeigt die HMS "Investigator", die 1853 auf der Suche nach Franklins Schiffen im Eis feststeckend aufgegeben wurde.

Diese Illustration zeigt die HMS "Investigator", die 1853 auf der Suche nach Franklins Schiffen im Eis feststeckend aufgegeben wurde.

Foto: AP/Canadian Press

Es dauerte mehr als 150 Jahre, bis klar war, was aus den Schiffen HMS "Terror" und HMS "Erebus" geworden war: Schon kurz nach ihrem Verschwinden im Jahr 1845 hatten sich etliche Arktisforscher in zahlreichen Expeditionen auf die Suche gemacht. Doch erst 2014 und dann 2016 konnten die beiden Wracks geortet werden, die Fundorte lagen etwa 2000 Kilometer nordwestlich von Toronto in Kanada.

Laut einer Vereinbarung gehörten die Schiffe offiziell Großbritannien, obwohl sie von Kanada verwahrt und kontrolliert wurden. Am Montag kündigte nun das britische Verteidigungsministerium an, dass die Wracks der HMS "Terror" und der HMS "Erebus" in den kommenden Wochen an Kanada übergehen sollen.

Lediglich kleinere Artefakte wolle man in britischer Hand behalten, sagte Verteidigungsminister Michael Fallon laut Mitteilung . Mit der neuen Abmachung "wird sichergestellt, dass die Wracks und Artefakte für künftige Generationen erhalten bleiben".

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Die kanadische Regierung bedankt sich bei Großbritannien für das "historische Geschenk". Sie verwies zudem auf die Bedeutung der Inuit im Territorium Nunavut: Ohne ihre "Unterstützung, Hilfe, Ratschläge sowie ihr traditionelles und modernes Wissen" wären die Wracks nicht gefunden worden, heißt es in einer Mitteilung . Die Wracks sollen demnach zugleich der Regierung in Kanada und den Inuit von Nunavut gehören.

Der britische Polarforscher John Franklin war 1845 gemeinsam mit 128 Männern zu einer Expedition aufgebrochen, um die damals legendäre Nordwestpassage zu finden. Ausgerüstet mit Proviant für drei Jahre überwinterten sie zweimal erfolgreich. Auf den zweiten Winter aber folgte ein Sommer, der so kalt war, dass die eingefrorenen Schiffe nicht mehr freikamen.

Keiner der Männer kehrte zurück. Welches Schicksal sie genau erlitten, ist bis heute ein Rätsel geblieben, es gibt unterschiedliche Theorien dazu. Am Ende fanden bei den Suchaktionen nach ihnen mehr Menschen den Tod als durch die Franklin-Expedition.

Die Suche nach Franklins Schiffen wurde auch in den folgenden Jahrzehnten nie ganz aufgegeben. Noch 1913 finanzierte der kanadische Staat Expeditionen - sieben Jahre nachdem Roald Amundsen die Durchfahrt der Nordwestpassage erstmals gelang. Kanada hatte die Suche nach den beiden Schiffen ab dem Jahr 2008 verstärkt und war jährlich in die Arktis gefahren.

2016 orteten Forscher dann die HMS "Terror" in etwa 24 Meter Tiefe auf dem Grund einer Bucht der King-William-Insel, gut 250 Kilometer nördlich des Polarkreises. Etwa 50 Kilometer südlich davon hatten Forscher zwei Jahre zuvor die HMS "Erebus" in elf Meter Tiefe gefunden.

Video: Unterwasseraufnahmen der HMS "Terror"

SPIEGEL ONLINE
aar/AP
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