Französische Nationalheilige Zweifel an Jeanne d'Arcs Reliquie

Knochen, Holz, Stofffetzen - sechs Monate lang untersuchten Forscher mit modernsten Methoden die Reliquien der Jungfrau von Orléans. Die französische Nationalheilige war auf dem Scheiterhaufen gestorben, doch ihre vermeintlichen Überreste in Tours sind nicht einmal angesengt.

Paris – Die sagenumwobene Geschichte von Johanna, der Jungfrau von Orléans, fasziniert noch heute. Mythos und Realität sind dabei immer schwieriger voneinander zu trennen. Welche Spuren existieren tatsächlich von der historischen Frauengestalt? Zuletzt war es eine französische Forschergruppe, die mit modernsten Methoden dem Mythos Jeanne d'Arcs, der Nationalheiligen Frankreichs, zu Leibe rücken wollte.

Sie begann vor zehn Monaten mit der Untersuchung einiger Reliquien, die im Erzbistum Tours konserviert und Jeanne d'Arc zugeschrieben werden. Jetzt gibt es erste Ergebnisse, sie sind niederschmetternd. "Die Chancen, dass wir es mit den Überresten der französischen Heldin zu tun haben, schwinden", sagte der wissenschaftliche Leiter der Forschergruppe, Philippe Charlier.

Im Februar war der Gerichtsmediziner noch sehr zuversichtlich gewesen. Mit anatomischen und genetischen Analysen sowie Röntgenaufnahmen wollte er die Überreste auf ihre Echtheit überprüfen und mehr über das sagenumwobene Leben der Jeanne d'Arc herausfinden, sagte Charlier. Zuerst ging es darum, die Knochen-, Holz- und Textilreste zu datieren und zu prüfen, ob sie tatsächlich von einem Körper stammen könnten, der auf dem Scheiterhaufen starb. Schließlich war Johanna im Jahr 1431 als Ketzerin verbrannt worden.

Vermeintliche Überreste: eher balsamiert als verbrannt

Ein Stück Leinen, das unter anderem untersucht wurde, stammt tatsächlich aus dem 15. Jahrhundert. Allerdings weist es keine Spuren eines Brandes auf - genauso wenig wie die anderen Gegenstände. Eher sähe es danach aus, als sei es einbalsamiert worden. Die Untersuchungsergebnisse hätten noch keine endgültige Gewissheit gebracht, betonte Charlier – er sagte aber: "Wir nähern uns immer mehr der Hypothese an, dass es sich um eine falsche Reliquie handelt oder aber um eine Reliquie, die verändert wurde."

Der Forscher kündigte an, in einigen Monaten die Ergebnisse der noch laufenden Untersuchungen zu veröffentlichen: Die Datierung per C14-Methode zählt genau so dazu wie die noch ausstehenden genetischen Proben zur Bestimmung des Geschlechts des Körpers.

Jeanne d'Arc, auch bekannt als Johanna von Orléans, gilt als National-Ikone und ist seit 1920 offizielle Heilige der katholischen Kirche. Das Bauernmädchen aus Domrémy hatte die französischen Truppen im Hundertjährigen Krieg in einigen Schlachten gegen England angeführt, in denen diese mehrere Siege errungen hatten. Sie soll angegeben haben, dass Heilige und Erzengel ihr befohlen hätten, die englischen Invasoren zu bekämpfen. Schon im Alter von dreizehn Jahren habe sie göttliche Visionen gehabt, so die Sage.

Jeanne d'Arc starb am 30. Mai 1431 mit 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen in Rouen. Der Legende nach wurden ihre Überreste in die Seine geworfen, um einen Reliquienhandel zu unterbinden. Aber eine schwärzlich eingefärbte menschliche Rippe gelangte dennoch in den Besitz des Erzbistums von Tours. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, soll auch der Oberschenkelknochen einer Katze zu den Reliquien gehören. Die Frage nach dem Warum gebe den Forschern Rätsel auf.

Die Geschichte der "Heiligen Jungfrau von Orléans" ist ein beliebtes Thema in der Kunst. So inspirierte sie unter anderem Friedrich Schiller zu seiner gleichnamigen Tragödie. Zuletzt verfilmte der Regisseur Luc Besson die Geschichte mit der Schauspielerin Milla Jovovich in der Hauptrolle ("Johanna von Orléans", 1999).

Auch Politiker wollen am Mythos Jeanne d'Arcs teilhaben. So auch die rechts-nationalistische "Front National" von Jean-Marie Le Pen und andere katholische, nationalistische Organisationen. Die Authentizität ihrer Ikone scheint im Licht der neuesten Erkenntnisse aber zu schwinden.

ner/AP/AFP

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