Fred Hoyle Der Vater des "Urknalls" ist tot

Er glaubte zwar nicht an den "Big Bang", dennoch prägte Fred Hoyle in den fünfziger Jahren diesen Begriff. Der britische Forscher galt als einer der einflussreichsten Astronomen seiner Zeit.


Hoyle, der die Bezeichnung "Big Bang" (Urknall) für eine Theorie über die Entstehung des Weltalls in die wissenschaftliche Welt setzte, starb im Alter von 86 Jahren. Dies berichteten britische Zeitungen am Mittwoch. Eine Todesursache wurde zunächst nicht bekannt.

Renommierter Querdenker: Fred Hoyle im Jahr 1987
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Renommierter Querdenker: Fred Hoyle im Jahr 1987

Zeit seines Lebens hatte der Wissenschaftler und Science-Fiction-Autor ("A wie Andromeda") die Idee angezweifelt, das Universum könnte vor rund 14 Milliarden Jahren in Form eines großen Knalls quasi aus dem Nichts entstanden sein. Nach seiner eigenen Erinnerung hatte Hoyle den Begriff "Urknall" in den fünfziger Jahren im Rahmen einer Vortragsserie erstmals erwähnt - als Verunglimpfung der vorherrschenden Meinung.

Hoyle, der bereits im Alter von zehn Jahren anhand der Sterne seinen Standort bestimmen konnte, war Anhänger der Theorie eines anfangslosen Kosmos. Auch als ebenfalls in den fünfziger Jahren Radioastronomen zeigten, dass sich das Universum deutlich schneller als von ihm vorhergesagt ausbreitet, blieb der Brite bei seinem Standpunkt. Jeder Stern, jede Galaxie habe einen zeitlichen Anfang, der Universum jedoch nicht.

Obwohl sich Forschungsergebnisse gegen seine Theorien häuften, war Hoyle für seine Arbeit über Sterne, Galaxien, Schwerkraft und Atome anerkannt. Nach seinem Abschluss an der University of Cambridge arbeitete er dort 14 Jahre lang als Professor. Anschließend war Hoyle bis 1978 als Astronomieprofessor an der Cornell University tätig.

Nicht nur seine Theorie von der Entwicklung des Kosmos wurde kontrovers diskutiert. Zusammen mit Kollegen entwickelte der 1915 im nordenglischen Yorkshire geborene Forscher die Idee, alles Leben habe die Erde aus dem Weltraum erreicht. Mehrere Krankheiten, darunter Aids, sollen den Blauen Planeten ebenfalls auf diesem Wege heimgesucht haben.

Auch auf verwandten Gebieten engagierte sich der Astronom: So zeigte Hoyle zusammen mit dem Kollegen William Fowler, dass die Elemente, die schwerer sind als Helium, durch Kernreaktionen im Zentrum von Sternen entstehen. 1983 wurde Fowler zusammen mit dem indischen Astronomen Subrahmanyan Chandrasekhar für seine Arbeit über die Entstehung chemischer Elemente mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Hoyle ging leer aus.



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