Fremont-Indianer 4500 Jahre alte Siedlung gefunden

Mehr als 50 Jahre hat ein Farmer aus dem US-Bundesstaat Utah seinen Fund verschwiegen, um ihn zu schützen. Jetzt untersuchen Archäologen die Siedlungen, die noch so erstaunlich gut erhalten sind, dass Pfeilspitzen und Perlen offen auf dem Boden herumliegen.


Range Creek: Mehr als 225 Fundstellen
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Range Creek: Mehr als 225 Fundstellen

Felsmalereien, Tonscherben, Pfeilspitzen und Perlen zeugen davon, dass hier bis vor über 1000 Jahren Indianer der Fremont-Kultur gelebt haben. Sie waren Jäger, Sammler und Farmer und haben in gut isolierten steinernen Häusern mit Dächern aus Zedernholz gelebt. Viel mehr weiß man über diese Kultur bisher nicht.

Die Siedlungen in Range Creek in Utah sind wahrscheinlich bis zu 4500 Jahre alt, aber erst vor zwei Jahren haben Archäologen Notiz von ihnen genommen. 50 Jahre lang hatte der Farmer Waldo Wilcox geheim gehalten, dass es auf seiner Ranch nur so vor archäologischen Leckerbissen wimmelt. "Je weniger Leute davon wissen, desto besser", dachte er, denn er wollte das Areal, das seine Eltern 1951 gekauft hatten, so bewahren, wie es ist.

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Archäologie: Vergangene Kunst der Fremont-Indianer

Für zweieinhalb Millionen Dollar hat der inzwischen 74-Jährige das Land aufgegeben und an den "Trust for Public Land" überschrieben, der ihm zugesichert hat, das Land zu schützen. Inzwischen gehört die Ranch allerdings dem Staat Utah, der noch nicht darüber entschieden hat, wie er Publikumsverkehr kontrollieren soll. Schon jetzt ist es häufiger vorgekommen, dass Wanderer Pfeilspitzen eingesammelt oder zerstört haben.

Rund 225 Fundstellen, die über 19 Kilometer verstreut liegen, haben die Wissenschaftler bereits dokumentiert. "Und bisher kratzen wir bloß an der Oberfläche. Es gibt Hunderte weiterer Stellen", sagt der Archäologe Kevin Jones.

Waldo Wilcox: 50 Jahre hat er geschwiegen
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Waldo Wilcox: 50 Jahre hat er geschwiegen

Wilcox hat an Felsvorsprüngen sogar Skelette gefunden, die vom Wind freigelegt worden waren. Die relativ kleinen Körper waren in Biberhäute und Pflanzen eingewickelt und sind sehr gut erhalten.

Hunderte von Getreidespeichern mit Grassamen und Getreidekörnern geben Hinweise darauf, dass die Menschen mit dem Wechsel der Jahreszeiten gewandert sind und Nahrungsreserven zurückgelassen haben. Die Fremont-Indianer waren gute Jäger und haben Rotwild, Elche, Bisons und kleinere Wildtiere erlegt. Davon zeugen die Tierknochen, die noch in den Siedlungen zu finden sind.

Außerdem haben die Indianer Forellen gefischt, die in dem Gebiet im Überfluss vorkommen. In den letzten Stadien der Kultur haben sie auch Getreide angebaut, obwohl das riskant sein konnte, wenn es Trockenzeiten gab oder wenn Bären die Lager plünderten.

Auch künstlerisch hatte die Fremont-Kultur einiges zu bieten. Neben Perlen fanden die Archäologen zahlreiche farbige Felsmalereien in Rot, Weiß, Gelb, Schwarz und Pfirsichfarben. Auf einem der Bilder haben die Indianer Spiralen und Menschen mit Miniaturhänden zwischen Tierfiguren an die Wand radiert.



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