Fotostrecke

Gruseliger Friedhofsfund: Die Spuren der Untoten

Foto: PLOS/ Gregoricka LA/ Betsinger TK/ Scott AB/ Polcyn M/ Sharon N. DeWitte

Ausgrabung in Polen Archäologen finden Knochen angeblicher Vampire

Auf einem Friedhof im polnischen Drawsko Pomorskie haben Archäologen sechs Skelette von Menschen entdeckt, die als Vampire galten. Was machte diese Menschen in den Augen ihrer Zeitgenossen zu Wiedergängern?

Es ist ein Gerücht, dass Archäologen das Skelett eines Vampirs an spitzen Eckzähnen erkennen können. Dennoch können sie einen Menschen, der zu Lebzeiten für einen Vampir gehalten wurde, unter den Toten eines Friedhofes leicht ausmachen: Es ist die Sorgfalt, mit der seine Zeitgenossen versuchten, diesen im Grab zu fixieren.

Mal sind es lange Eisennägel, mit denen sie den Körper im Sarg festschlugen, mal schwere Steine, die sie ihm auf die Brust legten. Damit, so dachten die Menschen, könnten sie nächtliche Ausflüge des Vampirs verhindern. Oftmals kam auch eine scharfe Sichel zum Einsatz. Diese wurde dem vermuteten Untoten über den Oberkörper oder über den Hals gelegt. Würde sich der Wiedergänger im Grab aufrichten, würde die Klinge den Vampir unweigerlich entzwei trennen.

Gleich sechs Vampirskelette haben jetzt die Archäologen um Lesley Gregoricka von der US-amerikanischen University of South Alabama auf dem Friedhof des polnischen Ortes Drawsko Pomorskie gefunden. Drawsko Pomorskie liegt im Nordwesten des Landes, hundert Kilometer östlich von Stettin. Insgesamt waren dort 285 Tote begraben - der Anteil an Wiedergängern unter der damaligen Bevölkerung somit beträchtlich.

Vampire zusätzlich mit Steinen fixiert

Einer der vermuteten Wiedergänger war ein erwachsener Mann, bei dreien handelte es sich um erwachsene Frauen. Dann fanden die Forscher das Skelett einer jungen Frau, beim letzten fixierten Toten handelt es sich um einen Jugendlichen unbestimmten Geschlechts.

Wie die Archäologen im Wissenschaftsmagazin "PLOS One " berichten, hatte man bei fünf von ihnen scharfe Sicheln über Hals oder Oberkörper gelegt. Bei Zweien deponierten die Bewohner von Drwasko zusätzlich noch schwere Steine auf dem Kinn. Damit sollte es den Vampiren unmöglich gemacht werden zuzubeißen- Außerdem war so der Hals blockiert, so dass sie ihre Nahrung nicht hinunterschlucken konnten. Die Begräbnisse waren gleichmäßig über das Friedhofsgelände verteilt.

Was hatte diese Toten zu Vampiren werden lassen? Hinweise auf langwierige Krankheiten gab es an den Skeletten nicht. Was auch immer sie dahingerafft hatte - es war schnell gegangen. Aus der Volkskunde ist bekannt, dass oftmals gesellschaftliche Außenseiter nicht nur zu Lebzeiten, sondern auch noch nach ihrem Tod stigmatisiert wurden. Ein Selbstmörder, ein unehelich Geborener oder auch einfach nur ein Fremder, wurden eher verdächtigt, des Nachts aus dem Grab zu steigen, als jemand, der sein Leben in der Mitte der Gesellschaft verbracht hatte. Ein Selbstmord lässt sich archäologisch meist nur schwer nachweisen und noch weniger eine uneheliche Geburt.

Doch sollten die Knochen Hinweise darauf geben, dass die Vampire von Drawsko Pomorskie Zugezogene waren? Das 17. und 18. Jahrhundert, aus dem die Funde auf dem Friedhof von Drawsko Pomorskie stammen, waren eine bewegte Zeit in Polen. Religiöse Minderheiten suchten dort Schutz vor Verfolgung, von der Armut aus der Heimat in Brandenburg oder den Niederlanden vertriebene Familien einen sichereren Lebensunterhalt. Waren die angeblichen Vampire Zugewanderte?

Die Herkunft eines Menschen kann man gut am Verhältnis der Strontiumisotope in seinen Zähnen und Knochen klären. Menschen nehmen Strontium, ein Erdalkalimetall, über Wasser oder Pflanzen auf, es ist Kalzium recht ähnlich. Der Körper lagert es oft an Stelle von Kalzium in Knochen und Zähnen ein. Nun bilden sich beispielsweise die Zähne im Kindesalter. Das Verhältnis der Strontiumisotope bei ihnen entspricht also demjenigen der Region, in der ein Mensch seine Kindheit verbrachte.

Das Ergebnis der Isotopenanalyse war eindeutig: Die angeblichen Vampire hatte allesamt ihre Kindheit in der näheren Umgebung verbracht. Zugezogen war keiner von ihnen. Was machte die Toten dann zu Vampiren? "Berichte über verheerende Cholera-Epidemien könnten eine alternative Erklärung sein", schließen die Forscher ihren Aufsatz. "Die ersten Personen, die an einer solchen Seuche starben, wurden gerne als wiederkehrende Vampire identifiziert."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.