Satellitenbild der Woche Ökostrom aus Fukushima

Das Land um das stillgelegte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ist verseucht. Doch das bedeutet nicht, dass es sich nicht nutzen lässt – für Solarfelder und Windparks.
Wo sich vor mehr als einem Jahrzehnt die größte Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl ereignet hat, wird heute Strom aus der Kraft von Wind und Sonne gewonnen

Wo sich vor mehr als einem Jahrzehnt die größte Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl ereignet hat, wird heute Strom aus der Kraft von Wind und Sonne gewonnen

Foto: NASA Earth Observatory

Elf Jahre ist es her, dass Fukushima zum Schauplatz einer Katastrophe wurde. 2011 lösten ein Erdbeben und ein Tsunami vor der Küste der japanischen Präfektur eine Kettenreaktion aus. Im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi kam es in drei Reaktorblöcken zur Kernschmelze. Es ereignete sich die größte Nuklearkatastrophe seit dem Unfall von Tschernobyl im Jahr 1986: Vier von sechs Reaktorblöcke wurden zerstört, radioaktives Material wurde freigesetzt. Mehr als 100.000 Menschen mussten aus ihren Häusern fliehen, viele vorübergehend, manche dauerhaft.

Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, wird in dem Gebiet um das beschädigte Kraftwerk wieder Strom erzeugt – grüner Strom. Fukushima entwickelt sich zu einem Zentrum für die Erzeugung erneuerbarer Energien.

Diese Aufnahmen stammen aus den Jahren 2014 (l.) und 2021. Der Vergleich zeigt: Über kontaminierte Felder ziehen sich mittlerweile Solaranlagen.
Diese Aufnahmen stammen aus den Jahren 2014 (l.) und 2021. Der Vergleich zeigt: Über kontaminierte Felder ziehen sich mittlerweile Solaranlagen.

Diese Aufnahmen stammen aus den Jahren 2014 (l.) und 2021. Der Vergleich zeigt: Über kontaminierte Felder ziehen sich mittlerweile Solaranlagen.

Foto: NASA Earth Observatory / NASA Earth Observatory

Diese Satellitenbilder zeigen die Region, aufgenommen im Abstand von sieben Jahren. Auf vielen Feldern in der Umgebung des stillgelegten Kernkraftwerks können keine Lebensmittel und kein Futter angepflanzt werden, zu hoch ist die Strahlenbelastung. Doch das bedeutet nicht, dass die Flächen nicht anders genutzt werden können: Mittlerweile stehen auf den Feldern ganze Reihen von Solarpanels.

Einem Medienbericht  zufolge sollen in der Präfektur elf Solarkraftwerke und zehn Windkraftanlagen errichtet werden, auf kontaminierten oder verlassenen Flächen. Die Kosten für dieses Projekt bis 2024 würden auf rund 2,75 Milliarden US-Dollar geschätzt. Finanziert werde der Ausbau der Erneuerbaren in Fukushima durch staatliche und private Geldgeber. Der dort erzeugte Strom soll auch für die Herstellung von Wasserstoff genutzt werden.

Drei Jahre nach der Nuklearkatastrophe hatte die Präfektur Fukushima das Ziel verkündet, bis 2040 den gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen zu decken, schon 2030 sollten 70 Prozent des Stroms grün sein. Und es sind Fortschritte zu beobachten: Der Anteil der Erneuerbaren von 24 Prozent im Jahr 2011 stieg bis 2020 auf 43 Prozent.

Kein endgültiger Abschied von der Kernkraft – oder von der Kohle

Kernkraft hingegen spielt kaum eine Rolle mehr für die Stromgewinnung in der japanischen Präfektur – und auch in ganz Japan war zwischenzeitlich ein ähnlicher Trend zu beobachten. Während vor dem Reaktorunfall etwa ein Viertel der Elektrizität mithilfe der Kernkraft gewonnen wurde, sank der Anteil nach der Katastrophe auf weniger als ein Prozent. 2019 stammten wieder etwas mehr als sechs Prozent der Energie aus Kernkraftwerken. Und ein endgültiger Abschied von der Kernkraft steht in Japan auch in naher Zukunft nicht bevor. 33 Reaktoren sind derzeit in Betrieb, zwei neue werden gebaut. Das japanische Wirtschaftsministerium schätzt allerdings, dass Solarenergie ab dem Jahr 2030 billiger sein wird als Kernkraft.

Einen wichtigen Pfeiler der Energiegewinnung in Japan stellt auch die Kohle dar. Rund ein Viertel des Stroms wird derzeit in Kohlekraftwerken erzeugt. Um seine Klimaziele zu erreichen, müsste Japan die Kohleverstromung beenden. Konkrete Pläne dazu hat die Regierung bisher aber nicht vorgelegt.

Fest steht hingegen: Bis 2050 muss Japan die Klimaneutralität  erreicht haben.

vki