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Überraschung auf dem Acker: Schatz aus dem Frühmittelalter entdeckt

Foto: Stefan Sauer/ dpa

Fund in Vorpommern Archäologen heben Silberschatz aus dem Frühmittelalter

Dutzende Münzen, Schmuck und drei Silberbarren - Forscher haben auf einem Acker bei Anklam einen spektakulären Fund gemacht. Arabische Gravuren auf den Geldstücken zeigen: Im Ostseeraum boomte im frühen Mittelalter der Handel zwischen Ost und West.

Anklam/Greifswald - Auf einem Acker bei Anklam in Vorpommern haben Archäologen einen spektakulären Fund gemacht: Mit Hilfe von Metalldetektoren entdeckten die Forscher 82 Münzen und Münzfragmente, einen Silberreif und drei Silberbarren aus dem frühen Mittelalter in der nassen Erde. "Münzschätze aus dieser Zeit sind äußerst selten, in der Menge ist das einer der wirklich bedeutenden", sagt Archäologe Michael Schirren vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege.

Die Münzen tragen arabische Schriftzeichen und Verzierungen. "Der Fund arabischer Münzen an der Ostseeküste beweist, dass es bereits vor mehr als 1200 Jahren einen globalen Handel gab", sagt der Greifswalder Historiker Fred Ruchhöft. Bereits vor 1200 Jahren war die südliche Ostseeküste Teil eines globalen Handelsnetzes.

Boomregion an der Ostsee

Ein Teil der bei Anklam gefundenen Münzen ist inzwischen datiert: Die älteste stammt aus der Zeit um 610, die jüngste aus der Zeit um 820. Die Münzen wurden in Regionen geprägt, die heute in Nordafrika, Iran, im Irak oder in Afghanistan liegen. Über osteuropäische Handelsrouten entlang des Schwarzen Meers, des Dnjepr, der Wolga und dann an der Ostsee seien die Münzen in der Größe von Zwei-Euro-Stücken nach Nordeuropa gelangt.

Der Fund in der Nähe eines slawischen Siedlungsplatzes erweitert die Kenntnisse über den Handel im südlichen Ostseeraum und über die Bedeutung dieser Region. Im Frühmittelalter sei das Land an der Peene, das heute unter einem dramatischen Bevölkerungsschwund leidet, eine Boomregion im Ostseeraum gewesen, sagen Historiker. Mit der Peene hatte die Region einen direkten Zugang zum Meer. Der Siedlungsplatz befand sich nahe der Wikingersiedlung Menzlin, die ein strategisch bedeutender Stützpunkt und Umschlagsplatz für den Handel zwischen Ost und West war.

Schatz entsprach dem Wert eines Sklaven

Nach Einschätzung Ruchhöfts pflegten die Slawen und Wikinger als Nachbarn nicht nur ein friedliches Miteinander, sondern auch einen regen Warenaustausch. Die Münzen könnten über arabische Kaufleute oder slawische Handelsreisende in die Region gebracht worden sein, vermuten Experten.

Angelangt in Pommern, verloren die Münzen allerdings ihren monetären Wert, wie Ruchhöft sagt. Entscheidend sei nicht mehr der Zahlungswert, sondern nur noch das Gewicht der Geldstücke gewesen. Die ästhetisch prachtvoll gestalteten Münzen wurden - wie auch ein ebenfalls zum Schatz gehöriger, vermutlich in der Wolgaregion hergestellter Armreif - beim Handeln zerhackt und dann gewichtsweise in Viertel- oder Halbmünzen gegen Naturalien getauscht.

Warum der Schatz vergraben wurde, können die Wissenschaftler nicht mit Bestimmtheit sagen. "Möglicherweise war es die Angst vor Raub, die einen Slawen animierte, den Schatz in den Acker zu versenken", sagt Ruchhöft. Für rund 200 Gramm Silber - so viel wiegt der Schatz - konnte sein Besitzer vier Ochsen oder mit etwas Handlungsgeschick einen Sklaven erwerben.

Von Martina Rathke, dpa
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