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WM 2014: Das simulierte Fußballturnier

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Fußball-WM-Simulation Wettquoten sprechen gegen deutsche Finalteilnahme

Ein Statistiker aus Innsbruck hat Wettquoten genutzt, um das gesamte WM-Turnier zu simulieren. Deutschlands Finalchancen sind bescheiden, die Favoriten kommen aus Südamerika.

Wer gewinnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien? Diese Frage treibt nicht nur Fans weltweit um, sie beschäftigt auch immer mehr Wissenschaftler. Der Dortmunder Physiker Metin Tolan etwa hat das Turnier bereits 100.000-mal vorab am Computer simuliert - mit einer Wahrscheinlichkeit von 20,4 Prozent holt demnach Deutschland den Titel . Ausgangspunkt seiner Analyse waren die Ergebnisse der WM-Qualifikationsspiele.

Der Innsbrucker Statistikprofessor Achim Zeileis hat nun ebenfalls das gesamte Turnier simuliert - nutzte als Input dafür allerdings nicht Spiele aus der Vergangenheit, sondern allein die Quoten von Buchmachern. "Wir wollten nicht zurückblicken und daraus Prognosen ableiten", sagt Zeileis. Buchmacher könnten auch aktuelle Informationen nutzen, etwa Verletzungen und die Form von Spielern. Deshalb erlaubten Wettquoten präzisere Prognosen.

Für ihre Analyse nutzten die Innsbrucker Forscher die Quoten von 22 Online-Wettanbietern. Demnach hat Brasilien mit Abstand die größten Chancen auf den Titel. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt laut den Wettquoten bei 22,5 Prozent. Danach folgen Argentinien (15,8 Prozent), Deutschland (13,4) und Spanien (11,8). Die Studie ist bislang nicht in einem Fachblatt erschienen - aber online als sogenanntes Working Paper abrufbar .

"Wir haben die Quoten Anfang Mai und Mitte Mai erfasst, sie haben sich in dem Zeitraum praktisch nicht geändert", berichtet Zeileis. Aus den Quoten auf den Titelsieg hat der Statistiker dann quasi rückwärts die Spielstärke jeder Mannschaft berechnet. Damit lässt sich wiederum berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein beliebiges Team gegen ein anderes gewinnt.

Zeileis simulierte das gesamte Turnier gleich mehrfach jeweils 100.000-mal, um die Spielstärke jedes der 32 teilnehmenden Teams so zu justieren, dass am Ende Brasilien in 22,5 Prozent aller Simulationen den Titel gewinnt.

Brasilien hat demnach gegen mehr als die Hälfte aller WM-Teilnehmer Siegchancen von über 80 Prozent. Das bedeutet allerdings nicht, dass Brasilien in jeder Simulation jedes Spiel gegen einen vermeintlich schwachen Gegner gewinnt. In 20 Prozent der Fälle siegt der Underdog. Wann dies geschieht, darüber entscheidet der in die Simulationssoftware integrierte Zufallsgenerator.

Für Deutschland verheißen die Simulationen nichts Gutes: Die Chancen aufs Achtelfinale stehen zwar noch bei über 80 Prozent. Das Finale wird aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent erreicht.

Das ist bei den anfangs erwähnten Turniersimulationen von Metin Tolan anders. Der Dortmunder Physiker berechnete die Spielstärke der Teams nicht mithilfe von Wettquoten, sondern auf Basis der in den Qualifikationsspielen erzielten Tore. Dabei hatte Deutschland bekanntlich souverän den Gruppensieg geholt, während Mitfavoriten größere Probleme hatten. Das erklärt auch, warum Tolans Modell Deutschland so hohe Titelchancen gibt.

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