Futuristisches Schiffskonzept Im Spinnenboot über die Ozeane

Ein italienischer Ingenieur hat einen Katamaran entwickelt, der einer Spinne gleich übers Wasser huscht. Elastische Gleitrümpfe sollen die Auswirkungen von Wellen minimieren. Der Auftritt des bizarren Boots in New York rief die US-Küstenwache auf den Plan.


"Proteus" nennt Ugo Conti sein Baby, jenes Spinnenboot, das der Ingenieur und Ozeanograph selbst entworfen hat. Es sieht aus wie ein Boot auf Stelzen und soll ein völlig neues Gefühl von Schifffahrt ermöglichen - so verspricht es zumindest die kalifornische Herstellerfirma Marine Advanced Research.

Die beiden Gleitrümpfe, auf denen das sogenannte Wave Adaptive Modular Vessel ruht, unterscheiden sich von denen herkömmlicher Katamarane. Sie sind nicht etwa steif, vielmehr bestehen sie aus einzelnen Segmenten, die durch Gelenke miteinander verbunden sind. Zudem verfügt das Boot über Stoßdämpfer. Die flexiblen Rümpfe sollen sich den Bergen und Tälern im Wasser anpassen. "Proteus zerschneidet nicht die Wellen, es tanzt mit ihnen", dichtet die PR-Abteilung über das Spinnenboot.

Das im Mai erstmals öffentlich präsentierte Schiff hat nun New York einen Besuch abgestattet. Die Küstenwache war zwar vorab informiert, schickte jedoch trotzdem ein kleines Patrouillenboot, das die Fahrt des hochbeinigen Katamarans beobachtete.

Einsatzbereiche gibt es für das Spinnenschiff laut Hersteller viele - bei der Marine, in der Forschung oder auch als Rettungsschiff. Die Kabine, die in der Mitte über den Bootsrümpfen schwebt, kann abgenommen und durch eine andere ersetzt werden. Auch die Größe kann variieren: von einer kleinen Kajüte für die Flitterwochen bis zur Kabine für zwölf Personen. Der Prototyp des Spinnenboots ist 30 Meter lang und 15 Meter breit und hat nach Herstellerangaben 1,1 Millionen Euro gekostet.

Weniger Spritverbrauch

Daniel Basta, Chef der Meeresschutzgebiete der USA (National Marine Sanctuaries) sagte, dank des geringen Gewichts und der niedrigen Kosten sei Proteus bestens für Forschungszwecke geeignet. Der Katamaran kann mit einer Tankfüllung von 7500 Litern mehr als 4300 Seemeilen (8000 Kilometer) zurücklegen und soll eine Spitzengeschwindigkeit von 30 Knoten erreichen (54 km/h).

"Von Proteus aus wird man unbemannte Boote starten und wieder aufnehmen können", sagte Basta. Die zur National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) gehörende Verwaltung der Meeresschutzgebiete wolle Proteus testen. Der Katamaran solle beispielsweise Taucheinsätze unterstützen und dabei Geräte am Meeresboden absetzen.

Proteus ist nicht das erste Schiffskonzept, das bessere Seegängigkeit, höheren Komfort oder Kraftstoffeinsparungen verspricht. Schon seit Jahrzehnten tüfteln Ingenieure an Alternativen zum klassischen Einrumpf. Die sogenannten Bodeneffektfahrzeuge sollen in nur wenigen Metern Höhe über das Wasser fliegen und so weniger Kraftstoff verbrauchen. Zweirümpfer, deren Schwimmkörper vollständig unter Wasser sind, versprechen angenehmes Schiffsreisen auch bei starkem Seegang.

hda/AP



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