Gefährliche Geburt Kaiserschnitt birgt Risiken für Neugeborene

Medizinisch nicht notwendige Kaiserschnitte können zu Beschwerden bei den so auf die Welt geholten Säuglingen führen. Probleme mit der Atmung kurz nach der Geburt sind nach einem Kaiserschnitt deutlich häufiger. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Kaiserschnitt-Geburten stetig zu.


Anne Kirkeby Hansen hat mit ihren Kollen Daten über rund 35.000 Geburten ausgewertet, die zwischen 1998 und 2006 an der Universitätsklinik Aarhus begleitet wurden. Bei 2.700 werdenden Müttern wurde dabei ein Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit durchgeführt. Hansen und ihre Kollegen verglichen die Geburtsfolgen bei den so zur Welt gebrachten Kindern mit denen von Kindern die durch eine normale Vaginalgeburt oder durch einen Notfall-Kaiserschnitt zur Welt kamen. Das Ergebnis: Das Risiko, an allgemeinen oder gar schweren Atemwegsbeschwerden zu leiden, war bei den durch einen nicht notwendigen Kaiserschnitt Geborenen deutlich erhöht.

Baby: Erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden durch Kaiserschnitt
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Baby: Erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden durch Kaiserschnitt

Je früher in der Schwangerschaft der Kaiserschnitt durchgeführt wurde, desto größer war auch das Risiko: Bei auf Wunsch der Mutter durchgeführten Kaiserschnitten in der 37. Schwangerschaftswoche war das Risiko für Atemwegsprobleme fast viermal so groß, in der 38. Woche noch dreimal und in der 39. Woche immer noch fast doppelt so hoch, berichten die Mediziner im "British Medical Journal". Für schwere Atemwegsprobleme sind die Verhältnisse sogar noch stärker verschoben.

Ein Kaiserschnitt kann lebensrettend sein, beispielsweise wenn das Kind falsch liegt oder wenn die Mutter eine anstrengende Geburt nicht überstehen würde. Immer häufiger werden heutzutage aber auch Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt geholt, obwohl kein Notfall vorliegt. In Deutschland etwa hat die Kaiserschnitt-Quote in den vergangenen Jahren stark zugenommen: Laut dem statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2005 28 Prozent aller Geburten per Kaiserschnitt durchgeführt. 1995 hatte dieser Anteil noch bei 18 Prozent gelegen. In Teilen Südamerikas kommt schon fast die Hälfte aller Kinder durch Kaiserschnitt zur Welt. In den USA und auch in Europa gehen nicht zuletzt prominente Frauen mit schlechtem Beispiel voran, weil sie ihrem Körper die Belastungen einer herkömmlichen Geburt nicht zumuten wollen.

Laut "Medical Tribune" vermuten die Wissenschaftler, dass Kaiserschnitt-Geborene einen wichtigen Entwicklungsprozess verpassen. Während der Wehen würden Hormone freigesetzt, die die Lungen von Flüssigkeit befreiten. Der physische Druck auf den Körper des Kindes spiele ebenfalls eine unterstützende Rolle, so die Autoren der Studie. Womöglich könne man einen Teil dieser nützlichen Wehen-Wirkung auch künstlich durch Medikamente simulieren – langfristige negative Folgen seien jedoch auch dann nicht ausgeschlossen.

cis



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