Gefahrenquelle Diesel Rußpartikel lösen Mutationen aus

Forscher haben eine weitere Gefahr von Abgasen entdeckt: Mikroskopisch kleine Partikel, die etwa von Dieselmotoren oder Stahlwerken in die Luft geblasen werden, lösen Mutationen aus - die über Generationen weitervererbt werden können.


Diesel-Abgase: Mutationen über Spermien vererbt
DPA

Diesel-Abgase: Mutationen über Spermien vererbt

Dieselabgase stehen schon länger unter dem dringenden Verdacht, Krebs zu verursachen. Im Tierversuch wurde dies bestätigt. Mediziner gehen deshalb davon aus, dass die feinen Rußpartikel auch beim Menschen bösartige Tumore hervorrufen. Laut einer Studie des Umweltbundesamts sterben pro Jahr in Deutschland bis zu 19.000 Menschen, weil sie Rußpartikel eingeatmet haben.

Forscher der McMaster University im kanadischen Ontario haben nun ein weiteres Risiko der mikroskopisch kleinen Teilchen identifiziert. Ungefilterte Abgase von Dieselmotoren oder Stahlwerken können demnach auch die Erbinformationen verändern - und so dazu führen, das Schäden über Generationen weitergegeben werden.

Das Wissenschaftlerteam um James Quinn hatte zwei Gruppen von Mäusen zehn Wochen lang in Käfigen in unmittelbarer Nähe zu einem Stahlwerk gehalten. Die eine Mäusegruppe atmete die von Abgasen durchsetzte Luft, die andere lebte in einer Kammer, die mit einem speziellen Rußpartikelfilter ausgerüstet war.

Nur Männchen betroffen

Die Forscher suchten anschließen beim Nachwuchs der Mäuse nach Genmutationen. Dabei stellten sie fest, dass die den Abgasen ausgesetzten Tiere doppelt so viele Veränderungen im Erbgut zeigten. Sie wurden praktisch ausschließlich durch das Sperma der Väter weitergegeben. Das Erbmaterial der Mütter blieb bei den Versuchen weitgehend unbeeinflusst davon, ob die Weibchen Abgase einatmeten oder gefilterte Luft.

Die Veränderungen im Erbmaterial seien nicht bestimmten Krankheiten zuzuordnen, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science", dies sei jedoch nicht als Entwarnung zu verstehen. Quinn sagte, weitere Untersuchungen seien nötig, um das Gefahrenpotenzial von Rußpartikeln genauer zu bestimmen.

Dessen ungeachtet zeige die Studie die Effektivität von Rußfiltern, betonte der Wissenschaftler. In Deutschland rüsten derzeit noch längst nicht alle Autohersteller ihre Dieselmodelle serienmäßig mit den neuen Partikelfiltern aus. Die Filter reduzieren nicht nur die Menge der ultrakleinen Partikel, sondern senken auch den Ausstoß von Stickoxiden, die für hohe Ozonwerte mitverantwortlich sind.

Herz gerät aus dem Takt

In einer anderen Studie haben deutsche Wissenschaftler untersucht, wie Rußpartikel Herz und Gefäße schädigen. Die ultrafeinen Teilchen sind so klein, dass sie von der Immunabwehr nicht erkannt werden und sich in den Lungenbläschen festsetzen können.

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GSF

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Wie das Team um Annette Peters vom GSF-Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft in Neutherberg herausfand, gelangen die Partikel auch in die Blutbahn, aktivieren Blutplättchen und erhöhen somit die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Das Blut wird dadurch zähflüssiger, das Risiko von Gerinseln steigt.

Zusätzlich beschleunigen die feinen Teilchen den Herzschlag und stören den Kalziumhaushalt in den Zellen. Die veränderte Ionenkonzentration könne zu Kammerflimmern und Herzstillstand führen. Über mehrere Mechanismen erhöhten Rußpartikel die Gefahr von Herzinfarkten, schreiben die Wissenschaftler.

Vor allem ihre geringe Größe mache die weniger als hundert Nanometer kleinen ultrafeinen Partikel so gefährlich: Nasenschleimhaut, Membranen und Makrophagen seien eher darauf spezialisiert, größere Teilchen abzufangen.



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