Vorwurf Geheimnisverrat Russischer Atomforscher angeklagt

Wegen des angeblichen Verrats von Staatsgeheimnissen drohen einem russischen Physiker bis zu vier Jahre Gefängnis. Er hatte einen Fachartikel über Sprengstoffe publiziert.
Russische Atomrakete (bei Parade in Moskau 2011): Kernphysiker soll Geheimnisse über Sprengstoffe verraten haben

Russische Atomrakete (bei Parade in Moskau 2011): Kernphysiker soll Geheimnisse über Sprengstoffe verraten haben

Foto: DPA

Moskau - Fast sein ganzes Leben hat Wladimir Golubew am Institut für Kernphysik in Sarow geforscht. In der geschlossenen Stadt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die sowjetischen Atombomben entwickelt. Nun droht dem Physiker womöglich eine Haftstrafe von bis zu vier Jahren. Golubew wird vorgeworfen, in einem Fachartikel Staatsgeheimnisse preisgegeben zu haben, wie sein Anwalt Jewgeni Gubin sagte.

Der Artikel basiert auf einem Vortrag Golubews im April 2013 auf einer Konferenz in Prag. Der Forscher hatte über die Festigkeit von Materialien bei Einwirkung von Sprengstoffen referiert. Nach dem Erscheinen des Artikels in Tschechien habe der russische Geheimdienst FSB im vergangenen Sommer die Wohnung des Wissenschaftlers im zentralrussischen Nischni Nowogrod durchsucht und ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet, sagte sein Anwalt. Nischni Nowogrod ist etwa 200 Kilometer von Sarow entfernt.

Golubew darf nach Aussage seines Anwalts die Stadt nicht verlassen und auch nicht mit den Medien sprechen. Er streite die Vorwürfe ab und bestehe darauf, dass der Artikel keine Informationen enthalte, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. Vielmehr handle es sich um allgemein zugängliche Informationen aus der wissenschaftlichen Fachliteratur der 1980er und 1990er Jahre. Golubew hatte zwischen 1975 und 2013 für das russische Zentrum für Nuklearforschung gearbeitet. Dort hatte auch der spätere Dissident Andrej Sacharow geforscht.

Der russische Geheimdienst lehnte jegliche Stellungnahme ab. Dagegen teilte das Öffentliche Komitee für den Schutz von Wissenschaftlern mit, sich des Falles anzunehmen. "Wir kümmern uns bereits um etwa 20 Wissenschaftler, die ohne Grund inhaftiert sind", sagte das Komiteemitglied Juri Ryschow in einem Radio-Interview. Der Fall Golubew sei der jüngste in einer Reihe von Fällen, bei denen russischen Wissenschaftlern Spionage oder die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen vorgeworfen werden.

hda/AFP
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