Gehemmte Viren Süßholz hilft gegen Sars

Ein Extrakt der Süßholzwurzel könnte sich als Mittel gegen die Lungenkrankheit Sars erweisen. Eine vorläufige Frankfurter Studie deutet darauf hin, dass der Wirkstoff das Virenwachstum hemmen kann.


Sars-Virus: Süßholz-Extrakt "in Erwägung ziehen"
CDC

Sars-Virus: Süßholz-Extrakt "in Erwägung ziehen"

Mediziner der Universität Frankfurt am Main haben möglicherweise einen Wirkstoff identifiziert, der die Vermehrung des Sars-Erregers unterdrücken kann. Glycyrrhizin, ein Extrakt aus der Süßholzwurzel, war in Laborversuchen wirksamer als das bislang gegen die Lungenkrankheit eingesetzte Mittel Ribavirin, berichten die Wissenschaftler im britischen Fachjournal "The Lancet".

Das Team um Jindrich Cinatl vom Frankfurter Institut für Medizinische Virologie hatte die Substanz, die sich zuvor schon als effektiv bei HIV-Infektionen und der chronischen Leberentzündung Hepatitis C erwiesen hatte, mit Ribavirin und drei anderen potenziellen Wirkstoffen verglichen. Dabei konnte Glycyrrhizin den aus Sars-Patienten isolierten Erreger am wirkungsvollsten an der Replikation hindern.

Gegen das "Schwere Akute Respiratorische Syndrom" ist bislang noch kein spezifisches Mittel bekannt. Stattdessen wird meist der Virenhemmer Ribavirin in Kombination mit Steroiden verabreicht. Cinatl und seine Kollegen schlagen vor, den Inhaltsstoff der Süßholzwurzel "für die Behandlung von Sars in Erwägung zu ziehen".

Aus Erfahrungen mit HIV-Patienten sei bekannt, dass Nebenwirkungen von Glycyrrhizin wie etwa erhöhter Blutdruck erst nach mehrmonatiger Behandlung auftreten, so die Wissenschaftler. Bei Ribavirin seien dagegen Nebenwirkungen bei Sars-Patienten nachgewiesen. An der Lungenkrankheit sind bislang nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weltweit knapp 800 Menschen gestorben.



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