Gen-Analyse Die roten Haare der Neandertaler

Auch unter Neandertalern gab es vermutlich Rotschopfe. Das schließen Forscher aus einer Untersuchung von Erbmaterial. Sie entdeckten ein mutiertes Gen, das in anderer Version beim Menschen rote Haare und eine helle Haut zur Folge hat.


Etwa zwei Prozent aller heute lebenden Menschen besitzen von Natur aus rote Haare. Doch auch unter den Neandertalern hat es wahrscheinlich einige rothaarige Vertreter gegeben. Insgesamt könnte mehr als ein Prozent aller Neandertaler die auffällige Haarfarbe besessen haben, schätzen Michael Hofreiter und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Neandertaler und moderner Mensch: Rote Haare bei beiden?
DPA

Neandertaler und moderner Mensch: Rote Haare bei beiden?

Die Forscher hatten zwei Neandertalerknochen untersucht: Der eine ist 43.000 Jahre alt und stammt aus Spanien, das Alter des anderen beträgt 50.000 Jahre und er wurde in Italien gefunden. In beiden fanden Hofreiters Team Erbgut, das im Gen mc1r eine beim modernen Menschen noch nie beobachtete Veränderung zeigte.

Mc1r trägt die Bauanleitung für ein Protein, das das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Formen des Haut- und Haarpigmentes Melanin reguliert. Ist es defekt, überwiegt nicht das dunkle Eumelanin, sondern das rötlich-helle Phäomelanin - und das beschert dem Träger meist eine Kombination aus roten Haaren und heller, empfindlicher Haut mit Sommersprossen.

Auch die jetzt beobachtete Veränderung des Neandertalergens verursacht einen solchen Defekt, wie die Wissenschaftler zeigen konnten: Als sie es in kultivierte Zellen im Labor einbauten, war es deutlich weniger aktiv als das normale menschliche Gen. "Genvarianten mit einer ähnlich verringerten Aktivität sind auch beim modernen Menschen bekannt - allerdings aufgrund anderer Mutationen", erklärt Hofreiter. Da diese Varianten zu roten Haaren führten, könnte das auch beim Neandertaler-Gen der Fall gewesen sein, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science" vor (Online-Vorabveröffentlichung).

Dass möglicherweise nicht alle Neandertaler dunkle Haare hatten, war von Wissenschaftlern bereits früher vermutet worden - schließlich erleichtern helle Haut und helle Haare die sonnenabhängige Vitamin-D-Produktion im häufig bewölkten Europa. Da jedoch kaum Haare und Haut erhalten sind, war diese These schwierig zu überprüfen.

Die neuen Ergebnisse bestätigten die Vermutung nun, schreiben die Forscher. Interessanterweise hätten damit unterschiedliche genetische Veränderungen, die sich unabhängig voneinander entwickelten, beim modernen Menschen und beim Neandertaler zum gleichen Ergebnis geführt. Die Wissenschaftler halten es zudem für wahrscheinlich, dass es noch weitere Veränderungen im mc1r-Gen gegeben habe und beim Neandertaler demnach ähnlich wie beim modernen Menschen ein ganzes Spektrum an verschiedenen Haut- und Haarfarben vorkam.

hda/ddp



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