Gen-Vergleich Schimpanse schlägt Menschen evolutionär

Der Mensch hält sich je nach Überzeugung für die Krönung der Schöpfung oder der Evolution. Doch ein naher Verwandter, der Schimpanse, ist ihm ein Stück voraus, zumindest bei der Weiterentwicklung durch Selektion.


Vor sechs Millionen Jahren trennten sich die Wege von Schimpanse und Mensch. In der Evolution, so glauben zumindest viele, habe der Mensch danach die mit ihm verwandten Affen abgehängt. Wie sollte man auch sonst erklären, dass die Menschheit mittlerweile auf der Erde schalten und walten kann, wie sie will? - sieht man einmal von Problemen ab, die Eingriffe in die Natur hervorrufen.

Schimpanse: Gebührt ihm die Krone der Evolution?
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Schimpanse: Gebührt ihm die Krone der Evolution?

Doch die Krone der Evolution steht nicht dem Menschen zu, sondern nach gegenwärtigem Wissensstand dem Schimpansen. Wissenschaftler der University of Michigan in Ann Arbor hatten insgesamt 14.000 bei Menschen und Schimpansen vorkommende Gene miteinander verglichen. Dabei stellten sie zu ihrem eigenen Erstaunen fest, dass sich beim Schimpansen immerhin 233 Gene durch positive Selektion geändert haben dürften, beim Menschen hingegen nur 154.

Unter positiver Selektion verstehen Evolutionsbiologen das Phänomen, dass sich eine besser auf das Umfeld angepasste Mutation nach und nach innerhalb einer Population durchsetzt. Die Selektion zählt zu den Schlüsselmechanismen der von Charles Darwin begründeten Evolutionstheorie.

Die Diskrepanz bei den durch Selektion veränderten Gene führen Jianzhi Zhang und seine Kollegen auf die unterschiedliche Vorgeschichte bei Schimpansen und Menschen zurück. Die Affen hätten lange Zeit in einer größeren Population gelebt, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Acadamy of Sciences". Menschen hätten hingegen in kleineren, stärker fragmentierten Gemeinschaften gelebt. Dort sei es häufiger zu zufälligen, auch nachteiligen Veränderungen gekommen.

Zhang betonte gegenüber dem Online-Nachrichtendienst des Magazins "Nature", dass die Situation nicht einfach zu verstehen sei, schließlich zeichne sich der Mensch ja durch ein größeres Gehirn aus. "Es ist möglich, dass die Gehirngröße nur durch sehr wenige genetische Veränderungen beeinflusst wird."

Der Forscher verwies zugleich darauf, dass nicht das ganze Genom von Mensch und Schimpanse verglichen werden konnte, weil die Erbinformationen bei dem Menschenaffen noch nicht so detailliert wie beim Menschen untersucht worden sind. Die von positiver Selektion betroffenen Gene unterscheiden sich übrigens: Beim Schimpansen waren vor allem Gene verändert, die für den Protein-Stoffwechsel und die Anwort auf Stress verantwortlich sind. Beim Menschen hatten sich hingegen unter anderem Gene durch Selektion verändert, die den Fettsäure-Stoffwechsel steuern.

hda



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