Genanalyse Neurodermitis-Risiko liegt im Erbgut

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leiden an Neurodermitis. Forscher haben nun in einem Großversuch eine auffällige Genvariante identifiziert. Sie hoffen, dass sich daraus eines Tages eine gezielte Therapie gegen die chronische Hautkrankheit entwickeln lässt.


Berlin - Es ist eine Belastung für Babys und Eltern: In Industrieländern haben mittlerweile etwa 15 Prozent aller Kleinkinder Neurodermitis. Die entzündliche Hauterkrankung gehört neben Heuschnupfen und Asthma zu den häufigsten allergischen Erkrankungen und tritt über mehrere Jahre meist schubweise auf. Patienten werden durch quälenden Juckreiz belastet. Oft tritt die Krankheit bereits in den ersten Lebensmonaten auf. Manche der Patienten werden über die Jahre beschwerdefrei, doch nicht alle haben dieses Glück.

Schwere Neurodermitis: Nach Ansicht von Wissenschaftlern sind mehrere Gene an der Entstehung der Hautkrankheit beteiligt
Corbis

Schwere Neurodermitis: Nach Ansicht von Wissenschaftlern sind mehrere Gene an der Entstehung der Hautkrankheit beteiligt

Wie es zum Ausbruch der Neurodermitis kommt, ist bislang nicht vollständig geklärt. Klar scheint, dass erbliche Veranlagung dabei eine wichtige Rolle spielt. Deutsche Forscher haben nun eine Genvariante im menschlichen Erbgut gefunden, die das Risiko für Neurodermitis offenbar erhöht. In einer klinischen Studie hatten die Wissenschaftler das Erbgut von mehr als 9600 Menschen untersucht, wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch und die Charité mitteilten. Man habe sich das Erbgut von gesunden und erkrankten Kindern und Erwachsenen aus Deutschland, Polen und Tschechien angesehen.

Das Forscherteam um Jorge Esparza-Gordillo und Stephan Weidinger veröffentlichte seine Ergebnisse im Fachmagazin "Nature Genetics". Nach Ansicht der Wissenschaftler sind mehrere Gene an der Entstehung der Neurodermitis beteiligt. Besonders auffällig sei jedoch eine Erbgutveränderung auf Chromosom 11 gewesen. In dieser Region liegt ein Gen namens C11orf30, das die Bauanleitung für das Eiweiß EMSY enthält. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine Veränderung an diesem Gen zur Neurodermitis führt. Welche Rolle das Eiweiß beim Ausbruch der Hautkrankheit genau spielt, ist aber noch nicht bekannt.

Die betreffende Genvariante ist alles andere als selten. In Europa kommt sie nach Angaben der Forscher bei etwa 36 Prozent aller Menschen vor. Und offenbar spielt die Erbgutveränderung auf Chromosom 11 auch bei Patienten mit Morbus Crohn eine wichtige Rolle. Das ist eine chronische, entzündliche Darmerkrankung. Die Forscher vermuten, dass beiden Krankheiten ein gemeinsamer Mechanismus zugrunde liegen könnte.

chs/AFP



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