Genetik Letztes menschliches Chromosom entschlüsselt

Es ist ein Meilenstein bei der Erforschung des menschlichen Erbguts: Britische Wissenschaftler haben mit dem Chromosom 1 den letzten noch ausstehenden Träger genetischer Information zu 99,99 Prozent entziffert.


London - Die britischen Forscher gaben gestern bekannt, dass die Sequenz von Chromosom 1 vollständig entziffert worden sei. Damit ist das letzte der 24 verschiedenen menschlichen Chromosomen vollständig und mit höchstmöglicher Genauigkeit entschlüsselt.

Chromosom 1 des Menschen: Zu 99,99 Prozent entschlüsselt
Foto: König, Riemann, Fritzsche

Chromosom 1 des Menschen: Zu 99,99 Prozent entschlüsselt

Mehr als 160 Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA hatten die genaue Abfolge der Chromosomen-Bausteine ermittelt und stellen das Ergebnis nun in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Nature" vor. Sie hoffen, mit Hilfe der Sequenzdaten auch die genetische Grundlage zahlreicher Krankheiten aufklären zu können.

Das Chromosom 1 ist das größte menschliche Chromosom. Insgesamt sind in ihm rund acht Prozent der gesamten genetischen Information gespeichert. Dort befinden sich 3141 der insgesamt etwa 25.000 menschlichen Gene. Es enthält etwa zwei Mal mehr Gene als ein durchschnittliches menschliches Chromosom.

Mehr als 350 Krankheiten stehen mit Veränderungen des Chromosoms 1 in Verbindung, darunter verschiedene Krebsarten und neurologische Erkrankungen, wie Alzheimer und Parkinson, berichten die Wissenschaftler um Simon Gregory vom Wellcome Trust Sanger Institute in Großbritannien (Cambridgeshire), an dem ein Großteil des Chromosoms entziffert wurde. "Wir beginnen jetzt mit der nächsten Phase, bei der wir herausfinden, was die Gene tun und wie sie einander beeinflussen", sagte Simon Gregory vom Sanger-Institut.

Bereits 2000 meldeten zwei internationale Wissenschaftlerteams erstmals, das menschliche Erbgut entziffert zu haben. Allerdings handelte es sich bei der damals vorgestellten Sequenz um einen recht ungenauen Entwurf. Im Jahr 2003 hatten Forscher das Erbgut nach rund 13-jähriger Arbeit zu rund 99 Prozent entziffert. Nach und nach hatten Forscher später die Abfolge der Basenbausteine bei den einzelnen Chromosomen im Detail ermittelt: Sie geben die Genauigkeit der Sequenz nun mit mehr als 99,99 Prozent an. Gleichzeitig versuchten die Forscher, die in der Sequenz festgelegten Gene zu identifizieren und ihre Funktion zu bestimmen.

phw/dpa/Reuters



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