Genetische Veranlagung Schneller Rausch beugt Alkoholismus vor

Manche Menschen sind geborene Kampftrinker, andere schon nach wenigen Gläsern betrunken. Tests mit Geschwisterpaaren haben jetzt ergeben, dass ein Gen die Alkohol-Empfindlichkeit maßgeblich beeinflusst - und vor einer Sucht schützen kann.

Alkoholtrinker: Erbgut prägt das Risiko einer Sucht
dpa

Alkoholtrinker: Erbgut prägt das Risiko einer Sucht


Ob ein Mensch zu Alkoholabhängigkeit neigt, ist zum Teil im Erbgut verankert: Träger bestimmter Gene fühlen sich bereits nach den ersten Drinks berauscht - dadurch verringert sich ihr Risiko, alkoholabhängig zu werden. Das zumindest glauben US-Forscher nach Tests mit Probanden und Genanalysen nachweisen zu können.

Für ihre Studie beobachteten die Forscher um Kirk Wilhelmsen von der University of North Carolina in Chapel Hill die Reaktionen von mehr als 200 Studenten auf Alkohol. Die Gruppe der Versuchsteilnehmer bestand aus Geschwisterpaaren, von denen ein Elternteil alkoholkrank war. Die Versuchsteilnehmer selbst durften jedoch nicht abhängig sein.

Nachdem sie mehr als drei Gläser einer Mischung aus Kornbrand und Limonade getrunken hatten, sollten die Probanden beschreiben, ob sie sich betrunken oder schläfrig fühlten. Die Wissenschaftler unterschieden anhand dieses Tests zwischen alkoholempfindlichen Teilnehmern und solchen, bei denen die hochprozentigen Getränke nur geringe Wirkung zeigten. Im Anschluss führten sie eine Analyse des Erbguts durch und suchten nach genetischen Grundlagen für diese Eigenschaft.

Aggressive Verbindungen

Auf diese Weise fanden sie ein Gen namens CYP2E1. Es trägt den Bauplan für einen Eiweißstoff, der Alkohol abbauen kann. Der größte Teil des Alkohols, den ein Mensch konsumiert, wird in der Leber von dem Protein Alkoholdehydrogenase abgebaut.

CYP2E1 wirkt jedoch nicht nur in der Leber, sondern auch im Gehirn des Menschen. Es baut den Alkohol über andere Wege ab als die Alkoholdehydrogenase und bildet dabei sogenannte freie Radikale. Das sind reaktionsfreudige und dadurch aggressive chemische Verbindungen, die die empfindlichen Strukturen des Gehirns angreifen und beschädigen können. Möglicherweise sind es gerade solche Schäden, die das Rauschgefühl nach Alkoholgenuss auslösen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Alcoholism: Clinical and Experimental Research".

Ob aber die freien Radikale tatsächlich der Grund für die erhöhte Sensibilität gegenüber Alkohol seien, müsse noch in weiteren Studien untersucht werden, betont das Team. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass Alkohol die Arbeit der Neurotransmitter beeinträchtigt, also der chemischen Botenstoffe, die Informationen zwischen den Nervenzellen im Gehirn austauschen. "Aber unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass es weitaus komplexer ist", sagt Studienleiter Wilhelmsen.

boj/dapd

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Hilfskraft 20.10.2010
1. Alkohol-Empfindlichkeit
Zitat von sysopManche Menschen sind geborene Kampftrinker, andere schon nach wenigen Gläsern betrunken.*Tests mit Geschwisterpaaren haben jetzt ergeben, dass*ein Gen die Alkohol-Empfindlichkeit*maßgeblich beeinflusst - und vor einer Sucht schützen kann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,724149,00.html
Wer bezahlt diese Tests? Die Alkoholindustrie um eine Mittel gegen Alkoholempfindlichkeit zu finden? Was soll das überhaupt? Und was sind, "geborene Kampftrinker"? Zuerst kommt doch wohl jeder als "geborener Milchtrinker" auf die Welt. Oder? Dann sind es halt die Gene. Wußte man sowieso irgendwie schon vorher. Bringen uns solche Erkenntnisse irgendwie weiter? Gibt es nichts wichtigeres zu testen? H.
brotkernmehl 20.10.2010
2. nix Titel!
Zitat von sysopManche Menschen sind geborene Kampftrinker, andere schon nach wenigen Gläsern betrunken.*Tests mit Geschwisterpaaren haben jetzt ergeben, dass*ein Gen die Alkohol-Empfindlichkeit*maßgeblich beeinflusst - und vor einer Sucht schützen kann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,724149,00.html
Was für ein... Wer mehr Alkohol verträgt wird schneller abhängig. Macht Sinn. Alkohol macht körperlich abhängig, eine erhöhte Menge führt zu höherer Abhängigkeit. Außerdem verträgt mehr Alkohol wer "gut im Training" ist. Um im Training zu sein muss man... Alkohol in Massen konsumieren. Also echt, wie kann man so eine Studie machen. Zeitverschwendung. Zumindest die Ergebnisse in Bezug auf das betreffende Gen und eventuell die Wirkung von Alkohol auf das Gehirn können möglicherweise anderweitig Früchte tragen.
volkerhd 20.10.2010
3. Wozu solche Tests?
Zitat von HilfskraftWer bezahlt diese Tests? Die Alkoholindustrie um eine Mittel gegen Alkoholempfindlichkeit zu finden? Was soll das überhaupt? Und was sind, "geborene Kampftrinker"? Zuerst kommt doch wohl jeder als "geborener Milchtrinker" auf die Welt. Oder? Dann sind es halt die Gene. Wußte man sowieso irgendwie schon vorher. Bringen uns solche Erkenntnisse irgendwie weiter? Gibt es nichts wichtigeres zu testen? H.
Ich kann mich dem nur anschließen. Während mein alter Herr als Prokurist in der Getränkeverpackungsbranche zu Wirtschaftswunderzeiten noch bestens "geeicht" war, musste ich früh feststellen, dass die dritte Flasche Bier bei mir mit "Rückwärtstrinken" endet (Gene?). Was mich jedoch nicht daran hindert ein oder zwei Gläser Wein (in der Woche) zu genießen. Merke: zuviel Alkohol löst keine Probleme, es schafft nur neue! Auch macht er in der Regel nicht "lusitg", er enthemmt, und das meistens nur peinlich.
Logicus Interruptum 20.10.2010
4. Gut im Training
Die Theorie mit den freien Radikalen ist absoluter Quatsch. Man schaue sich nur die Linken an.
nicolai-bruno 20.10.2010
5. Wichtige Studie
Zitat von brotkernmehlWas für ein... Wer mehr Alkohol verträgt wird schneller abhängig. Macht Sinn. Alkohol macht körperlich abhängig, eine erhöhte Menge führt zu höherer Abhängigkeit. Außerdem verträgt mehr Alkohol wer "gut im Training" ist. Um im Training zu sein muss man... Alkohol in Massen konsumieren. Also echt, wie kann man so eine Studie machen. Zeitverschwendung. Zumindest die Ergebnisse in Bezug auf das betreffende Gen und eventuell die Wirkung von Alkohol auf das Gehirn können möglicherweise anderweitig Früchte tragen.
Das ist keineswegs trivial. Es werden ja gerade viele Menschen Alkoholiker, die eigentlich noch nie jemand richtig betrunken gesehen hat. Die sich locker zwei Flaschen Wein reinkippen können, ohne dass es jemand (vielleicht außer der Fahne) bemerkt. Und die dazu gar kein besonderes Trainig brauchen. Und wer nach drei Glas Bier immer schon lang hinschlägt, wird schnelle für einen Alki gehalten. Er spart zwar viel Geld, kann aber genau so abhängig werden. Diese Forschungen könnten also vielen Menschen durch entsprechende Prävention helfen.
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