Genetische Veranlagung Schneller Rausch beugt Alkoholismus vor

Manche Menschen sind geborene Kampftrinker, andere schon nach wenigen Gläsern betrunken. Tests mit Geschwisterpaaren haben jetzt ergeben, dass ein Gen die Alkohol-Empfindlichkeit maßgeblich beeinflusst - und vor einer Sucht schützen kann.
Alkoholtrinker: Erbgut prägt das Risiko einer Sucht

Alkoholtrinker: Erbgut prägt das Risiko einer Sucht

Foto: Z5456 Arno Burgi/ dpa

Ob ein Mensch zu Alkoholabhängigkeit neigt, ist zum Teil im Erbgut verankert: Träger bestimmter Gene fühlen sich bereits nach den ersten Drinks berauscht - dadurch verringert sich ihr Risiko, alkoholabhängig zu werden. Das zumindest glauben US-Forscher nach Tests mit Probanden und Genanalysen nachweisen zu können.

Für ihre Studie beobachteten die Forscher um Kirk Wilhelmsen von der University of North Carolina in Chapel Hill die Reaktionen von mehr als 200 Studenten auf Alkohol. Die Gruppe der Versuchsteilnehmer bestand aus Geschwisterpaaren, von denen ein Elternteil alkoholkrank war. Die Versuchsteilnehmer selbst durften jedoch nicht abhängig sein.

Nachdem sie mehr als drei Gläser einer Mischung aus Kornbrand und Limonade getrunken hatten, sollten die Probanden beschreiben, ob sie sich betrunken oder schläfrig fühlten. Die Wissenschaftler unterschieden anhand dieses Tests zwischen alkoholempfindlichen Teilnehmern und solchen, bei denen die hochprozentigen Getränke nur geringe Wirkung zeigten. Im Anschluss führten sie eine Analyse des Erbguts durch und suchten nach genetischen Grundlagen für diese Eigenschaft.

Aggressive Verbindungen

Auf diese Weise fanden sie ein Gen namens CYP2E1. Es trägt den Bauplan für einen Eiweißstoff, der Alkohol abbauen kann. Der größte Teil des Alkohols, den ein Mensch konsumiert, wird in der Leber von dem Protein Alkoholdehydrogenase abgebaut.

CYP2E1 wirkt jedoch nicht nur in der Leber, sondern auch im Gehirn des Menschen. Es baut den Alkohol über andere Wege ab als die Alkoholdehydrogenase und bildet dabei sogenannte freie Radikale. Das sind reaktionsfreudige und dadurch aggressive chemische Verbindungen, die die empfindlichen Strukturen des Gehirns angreifen und beschädigen können. Möglicherweise sind es gerade solche Schäden, die das Rauschgefühl nach Alkoholgenuss auslösen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Alcoholism: Clinical and Experimental Research" .

Ob aber die freien Radikale tatsächlich der Grund für die erhöhte Sensibilität gegenüber Alkohol seien, müsse noch in weiteren Studien untersucht werden, betont das Team. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass Alkohol die Arbeit der Neurotransmitter beeinträchtigt, also der chemischen Botenstoffe, die Informationen zwischen den Nervenzellen im Gehirn austauschen. "Aber unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass es weitaus komplexer ist", sagt Studienleiter Wilhelmsen.

boj/dapd
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