Vererbte Körpergröße Wie die Gene über das Wachstum bestimmen

Genforscher kommen dem Geheimnis der Körpergröße auf die Spur. Sie haben herausgefunden, welche Genvariationen unser Wachstum beeinflussen. Die Ergebnisse könnten auch die Erforschung von Krankheiten erleichtern.
Eine Frage der Vererbung: Wie Gene unsere Körpergröße beeinflussen, gibt uns Hinweise auf Risikofaktoren

Eine Frage der Vererbung: Wie Gene unsere Körpergröße beeinflussen, gibt uns Hinweise auf Risikofaktoren

Foto: Corbis

Ist es die gute Muttermilch zu Säuglingszeiten, das gute Wetter, oder sind es ausschließlich die Gene, die unsere Körpergröße bestimmen? Darüber sind sich Forscher seit Jahren uneins. Nun haben sich erneut Wissenschaftler dieser Frage angenommen und dafür in einem großangelegten Projekt das Erbgut und die Größe von mehr als 250.000 Menschen analysiert. Jetzt können die Forscher genauer erklären, welche Genvariationen für die menschliche Körpergröße verantwortlich sind, schreiben sie im Fachjournal "Nature Genetics" .

Der Name des Projekts "Giant" (zu Deutsch: Riese) war Programm. Mit einem Riesenaufwand analysierte ein Konsortium aus 300 Forschungsinstitutionen aus den USA, Europa und Australien einen gigantischen Datenberg. In einem ersten Schritt werteten die Forscher die Körpergröße von mehr als 250.000 Menschen europäischen Ursprungs aus. In einem zweiten Schritt untersuchten sie rund zwei Millionen Genvariationen der Testpersonen. Diese mussten in mindestens fünf Prozent der Probanden vorkommen. Aus diesem Pool identifizierten sie wiederum rund 697 Variationen, die die Körpergröße beeinflussen. Für kein anderes körperliches Merkmal sind so viele Genvariationen bekannt.

Die Ergebnisse hielten einige Überraschungen bereit. So dachten Genetiker bisher, dass das mTOR-Gen, das das mTOR-Eiweiß kodiert, nur für das Zellwachstum verantwortlich ist. Jetzt wissen die Forscher aber, dass es auch eine Rolle im menschlichen Knochenbau spielt.

Körpergröße hat die meisten identifizierten Genvariationen

Bei der Entschlüsselung der Körpergröße geht es um mehr als nur das Wachstum. "Die Größe gibt uns einen Einblick in die genetische Architektur vieler menschlicher Merkmale und Krankheiten", so die Autoren.

Laut Tim Frayling, Molekulargenetiker an der an Giant beteiligten britischen Universität Exeter, könnten die Forschungsergebnisse zukünftig bei der Behandlung von Krebs, Osteoporose oder Herzproblemen helfen. Oder auch besorgten Eltern eine Antwort darauf geben, ob ihr Kind genug wächst, sagt Frayling. "Die meisten dieser Kinder haben einfach einen großen Anteil 'kurzer Gene' geerbt." In diesem Fall kann Frayling die Eltern beruhigen: Ihre Kinder wachsen normal - auch wenn aus ihnen später keine Basketballspieler werden.

tst
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