Gentechnik Klonen endet meist im Chaos

Das Klonschaf Dolly hat offensichtlich großes Glück gehabt. Die meisten Klonexperimente führen zu nicht erwünschten Resultaten - möglicherweise verursacht durch embryonale Stammzellen.


Überlebt: Selbst einer der ersten erfolgreichen Klone, das Schaf Dolly, leidet an Übergewicht
DPA

Überlebt: Selbst einer der ersten erfolgreichen Klone, das Schaf Dolly, leidet an Übergewicht

Geklonte Tiere sind auch dann oft missgebildet, wenn sie gesund und intakt aussehen. Genetiker des Whitehead Institute for Biomedical Research im US-amerikanischen Cambridge und der University of Hawaii stießen bei geklonten Mäusen auf genetische Störungen, die äußerlich nicht erkennbar waren. Das gelte auch für Tiere, die mit Hilfe embryonaler Stammzellen geklont wurden, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science".

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Klone nur selten gesund zur Welt kommen und dann meist nach kurzer Zeit an schweren Missbildungen sterben. Nur wenige Tiere überleben wie das Schaf Dolly. Gerade diese Erkenntnis lässt viele Forscher davor warnen, ähnliche Klonexperimente auch beim Menschen durchzuführen.

In der jüngsten Studie klonten Rudolf Jaenisch und Ryuzo Yanagimachi kleine Nager aus embryonalen Stammzellen. Dazu entkernten sie Eizellen von Mäusen, in die die Kerne der Stammzellen eingesetzt wurden. Eigentlich, so die Überlegung der Genetiker, sollten sich die Embryozellen einfacher umprogrammieren lassen als die in anderen Experimenten verwendeten Kerne erwachsener Zellen.

Ersatz aus der Retorte: Reproduktives Klonen
DER SPIEGEL

Ersatz aus der Retorte: Reproduktives Klonen

Doch Jaenisch und Yanagimachi erlebten eine Überraschung: Die aus embryonalen Stammzellen geklonten Tiere konnten ihre Gene nicht zuverlässig ein- und ausschalten. Selbst identische Gene zeigten in den verschiedenen Regionen des Körpers - beispielsweise im Herzen und in der Niere - unterschiedliche Aktivitäten.

Bei nicht geklonten Mäusen fanden die Forscher derartige Unterschiede nicht. Auch durch künstliche Befruchtung im Laborentstandene Nager zeigten keine genetischen Fehler. Offensichtlich wurden die Probleme laut "Science" durch die implantierten Kerne der Stammzellen verursacht und nicht durch die entkernten Eizellen.

Bedenklich stimmt die Forscher auch, dass embryonale Stammzellen durch das Klonen instabil werden können. Sollte das gleiche Problem bei embryonalen Stammzellen des Menschen auftreten, heißt es in einem Begleittext, würde das ihre klinische Nutzbarkeit erheblich einschränken.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.