Gentherapie Fettzellen fressen sich selbst

Im Kampf gegen Fettleibigkeit ist Forschern ein wichtiger Fortschritt gelungen. Mit einer Gentherapie gelang es, Fettzellen zum Verspeisen ihres eigenen Fettvorrats zu zwingen. Bei Ratten löste sich die Speckschicht praktisch von selbst auf.


Dicker Bauch: Die neue Gentherapie könnte ihn schrumpfen lassen - ganz von allein
AP

Dicker Bauch: Die neue Gentherapie könnte ihn schrumpfen lassen - ganz von allein

Wer zu dick ist, konnte bisher nur versuchen, das Fettgewebe direkt zu attackieren - mit einer Diät, hartem Training oder der chirurgischen Absaugenadel. Mediziner aus der Schweiz und den USA haben jetzt möglicherweise einen anderen Weg gefunden, der effektiver und eleganter wäre: Die Fettzellen werden in Fett verbrennendes Gewebe verwandelt - und fressen sich praktisch selbst.

Bei dicken Ratten ist die neuartige Behandlung bereits gelungen, berichten Lelio Orci von der Genfer Universität und seine Kollegen aus Dallas in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung). Die Wissenschaftler hatten mit Hilfe einer Gentherapie bei den Nagern die Menge des Proteins Leptin erhöht und damit eine dramatische Veränderung ausgelöst: Die Fettzellen veränderten sich so, dass sie selber das gespeicherte Fett vollständig verbrannten.

Fettzellen werden zu Energiebündeln

Leptin ist schon seit etwa zehn Jahren bekannt und galt lange Zeit als die große Hoffnung für Übergewichtige. Es wird direkt von Fettzellen produziert und reguliert den Fettabbau und das Hungergefühl im Gehirn. Fehlt es oder kann seine Wirkung - wie bei vielen Übergewichtigen festgestellt - nicht vermittelt werden, sind Heißhunger und verstärkte Fettproduktion die Folge. Wie genau Leptin den Abbau von Fettgewebe verstärkt, war jedoch bisher nicht bekannt.

Schlanke Ratten: Fettgewebe einer normalen Ratte mit großen, fettgefüllten Zellen (links) und einer manipulierten Ratte nach 14 Tagen Leptin-Behandlung (rechts)
PNAS

Schlanke Ratten: Fettgewebe einer normalen Ratte mit großen, fettgefüllten Zellen (links) und einer manipulierten Ratte nach 14 Tagen Leptin-Behandlung (rechts)

Die Beobachtungen von Orci und seinen Kollegen könnten nun die Lösung bringen. Nach der künstlichen Erhöhung des Leptinspiegels der Ratten wurden aus Fettspeicherzellen, die fast keine Stoffwechselaktivität zeigten, nahezu fettfreie Zellen mit einem extrem aktiven Stoffwechsel und überdurchschnittlich viele Mitochondrien.

Diese hohe Dichte der kleinen Zellkraftwerke ermöglichte den transformierten Zellen, ihr eigenes Fett abzubauen. Dieser Abbau verlief vollständiger als bei jeder Diät, bei der bestimmte Abbauprodukte über die Leber ausgeschieden werden, schreiben die Forscher. Den Ratten ging es auch Wochen nach der Therapie hervorragend: Sie waren sehr aktiv und gesund, lediglich ihr Appetit hatte etwas nachgelassen.

Ungeklärte Steuerungsfunktion des Körpers

Offensichtlich habe sich der gesamte Stoffwechsel der ehemaligen Fettzellen umgestellt, schreiben die Wissenschaftler. So waren die Eiweißstoffe, die beim Aufbau und Einlagern von Fett eine Rolle spielen, in den umgewandelten Zellen stark vermindert, während die für den Fettabbau notwendigen Proteine verstärkt gebildet wurden. Auch der enorme Anstieg der Mitochondrienanzahl überraschte die Forscher.

Für die Entwicklung einer wirksamen Therapie gegen Fettleibigkeit sei jedoch noch eine wichtige Frage ungeklärt, räumen Orci und seine Kollegen ein. Manches Gewebe enthalte nämlich von Natur aus Leptinkonzentrationen, die genauso hoch seien wie die im Experiment künstlich erreichten. In diesen Fällen verursache das Leptin jedoch keine Veränderungen des Fettgewebes.

Die Forscher vermuten, dass der Körper hier gegensteuert, da das Speichern von Fett für Notsituationen wichtig sei. Sollte es gelingen, diese Gegenregulation aufzuklären, könnte dort möglicherweise eingegriffen und so eine Heilung für die immer weiter verbreitete Fettleibigkeit gefunden werden.



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