"Strike4BlackLives" gegen Rassismus Wissenschaftler weltweit legen aus Protest die Arbeit nieder

Schwarze sind in der Wissenschaft schlechtergestellt als Weiße. Forschende weltweit wollen nun für einen Tag ihre Arbeit niederlegen, um auf Rassismus aufmerksam zu machen.
Demonstranten in Berlin: "Ein akademischer Streik ist dringend erforderlich"

Demonstranten in Berlin: "Ein akademischer Streik ist dringend erforderlich"

Foto: Omer Messinger/ EPA-EFE/ Shutterstock

Wissenschaftler weltweit haben am Mittwoch ihre Arbeit niedergelegt, um gegen Rassismus zu protestieren. Anlass für die Aktion ist der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd, der weltweit Proteste ausgelöst hatte. Auch viele Wissenschaftler berichteten daraufhin öffentlich über Rassismus in ihrem Arbeitsalltag.

"Wir müssen erkennen, dass akademische Institutionen - trotz aller Diskussionen über Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion - zu oft unerreichbar für schwarze Menschen sind", heißt es in einer Erklärung der Organisation Particles for Justice, die sich auch gegen Sexismus in der Wissenschaft einsetzt. "Ein akademischer Streik ist dringend erforderlich, um schwarzen Akademikern eine Pause zu ermöglichen und allen anderen die Möglichkeit zu geben, über ihre eigene Mitschuld am Rassismus gegen schwarze Menschen in der Wissenschaft nachzudenken."

Unter den Hashtags #Strike4BlackLives, #ShutDownSTEM, und #ShutDownAcademia sind Wissenschaftler weltweit aufgefordert, die Arbeit niederzulegen. Wie viele sich daran beteiligen, lässt sich nur schwer beziffern. Die Protestaktion wurde erst vor wenigen Tagen ins Leben gerufen. Mittlerweile haben Tausende die Hashtags geteilt und angekündigt, ihre eigene Forschung für einen Tag ruhen zu lassen, um sich stattdessen gegen Rassismus zu engagieren.

"Als würde man von den Opfern verlangen, das Problem zu lösen"

Auch wissenschaftliche Organisationen wie die American Physical Society, die 55.000 Mitglieder vertritt, haben angekündigt, sich an der Protestaktion zu beteiligen. Der Server ArXiv.org, auf dem Forschende ihre Arbeiten hochladen können, soll für kurze Zeit abgeschaltet werden. Außerdem sind Wissenschaftler aufgefordert, am Mittwoch keine neuen Studien zu veröffentlichen.

Ausdrücklich ausgenommen von der Protestaktion sind Wissenschaftler, die das Coronavirus erforschen oder in anderen lebenswichtigen Bereichen arbeiten.

Schwarze Akademiker würden die Hauptlast im Kampf gegen Rassismus in der Forschung tragen, sagte eine der Initiatoren der Aktion, Nausheen Shah, von der Wayne State University im US-Bundesstaat Michigan. "Das ist so, als würde man die Opfer auffordern, das Problem zu lösen", kritisiert die Physikerin im Interview mit der Website "Scientific American" . "Das ist nicht okay."

Die Aktion sei eine Art Ruhetag für schwarze Akademiker. Keine Kämpfe mehr, keine Forschung, keine Studien lesen - stattdessen sollten sie sich zumindest für einen Tag Applaus abholen. Alle anderen sollten sich Gedanken darüber machen, was sie tun könnten, um die Situation zu ändern. "Wir sind Forscher", sagt Shah. "Wir versuchen, Lösungen für Probleme zu finden."

Ein Tag Protest werde natürlich nicht ausreichen, um das Problem zu lösen, so die Initiatoren. Jeder sei dazu aufgefordert, an einem langfristigen Plan mitzuarbeiten, um das Leben von Schwarzen zu schützen. Jeden Tag.

koe
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