Geschlechter-Forschung Mädchen meiden den Wettbewerb

Ungleiche Konkurrenz: Jungs suchen Auseinandersetzungen, um Vorteile zu erzielen. Mädchen hingegen scheuen den Wettbewerb - deshalb verdienten sie später weniger Geld, glauben Wissenschaftler.
Mädchen im "Walk Water Ball": Rückzug aus der Konkurrenz

Mädchen im "Walk Water Ball": Rückzug aus der Konkurrenz

Foto: Fabian Bimmer/ dpa

Bonn - Frauen scheuen den Wettbewerb schon im Kindesalter. Das geht aus einer Studie von Innsbrucker Finanzwissenschaftlern hervor , die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) am Freitag vorstellte. Demnach sind bereits dreijährige Mädchen deutlich seltener zum Leistungswettbewerb mit Gleichaltrigen bereit als Jungen. Laut IZA wird damit erstmals gezeigt, dass sich derartige Unterschiede zwischen den Geschlechtern bereits im Kleinkindalter ausprägen.

Für die Studie, die nun Fachkollegen zur Diskussion vorgestellt wurde und noch nicht begutachtet ist, hatten Innsbrucker Forscher das Wettbewerbsverhalten von mehr als tausend Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 18 Jahren untersucht. Je nach Alter mussten die Teilnehmer Rechenaufgaben lösen oder einen Wettlauf absolvieren und konnten damit Geld verdienen.

Im Verlauf des Versuchs hatten die Probanden die Wahl, ob sie gegen Gleichaltrige antreten wollten, um ihre Verdienstmöglichkeiten zu steigern. Im Durchschnitt entschieden sich 40 Prozent der Jungen, aber nur 19 Prozent der Mädchen für die Wettbewerbsvariante. In allen Altersgruppen lag der Abstand zwischen den Geschlechtern bei etwa 15 bis 20 Prozentpunkten.

Jungs loben sich selbst

Bei der tatsächlich erbrachten Leistung gab es hingegen kaum Unterschiede: Sowohl im Kopfrechnen als auch beim Wettlauf schnitten Jungen und Mädchen den Angaben zufolge annähernd gleich ab. Allerdings neigten Jungen eher dazu, die eigene Leistung zu hoch einzuschätzen.

Wirtschaftsforscher sehen in der geringeren Wettbewerbsbereitschaft von Frauen eine mögliche Ursache für den Lohnabstand zwischen den Geschlechtern und den geringen Frauenanteil in Führungspositionen. Der Innsbrucker Verhaltensforscher Matthias Sutter, der an der Studie beteiligt war, rät daher, das Wettbewerbsverhalten von Frauen schon in jungen Jahren gezielt zu fördern, um einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu leisten.

Trotz des Wettbewerbsvorteils geraten Jungen in der Schule ins Hintertreffen, wie der neue nationale Schultest für Deutsch und Fremdsprachen unter Neuntklässlern gezeigt hat. Die Mädchen schlagen die Jungen demnach deutlich. In Deutsch und Englisch haben sie im Schnitt einen Wissensvorsprung von einem halben Jahr. Mädchen besuchen zudem häufiger Gymnasien.

Eine Ursache sei die bessere Förderung von Mädchen, resümierten Experten jüngst auf einem Kongress in Düsseldorf. Viele Jungs reagierten mit Frust, Verweigerung und Gewalt - sie suchen sich negative Formen des Wettbewerbs.

boj/apn