Geschlechtsunterschied Alkohol raubt Frauen eher den Schlaf

Alkohol als Einschlafhilfe zu nutzen, ist eine schlechte Idee: Zwar kommt der Schlaf schneller, doch über die Nacht drohen unfreiwillige Wachphasen. Wie Forscher jetzt ermittelt haben, trifft der Effekt Frauen besonders stark.
Weinprobe: Nur geringe Mengen Alkohol wirken tatsächlich schlaffördernd

Weinprobe: Nur geringe Mengen Alkohol wirken tatsächlich schlaffördernd

Foto: A3446 Patrick Seeger/ dpa

Nach einem Trinkgelage schlafen Frauen deutlich schlechter als Männer, haben US-Forscher entdeckt. Ein Rausch vertieft zwar anfangs den Schlaf und erleichtert das Einschlafen. In der zweiten Hälfte der Schlafphase ist die Schlafqualität allerdings beeinträchtigt, wobei Frauen den Ergebnissen zufolge häufiger unter Wachphasen und einer insgesamt schlechteren Schlafqualität leiden als Männer. Die Ursache sei vermutlich die unterschiedliche Art, wie der Stoffwechsel der beiden Geschlechter den Alkohol abbaue, spekulieren die Wissenschaftler im Fachmagazin "Alcoholism: Clinical & Experimental Research" .

Die Wissenschaftler um Todd Arnedt von der University of Michigan in Ann Arbor baten für ihre Studie 59 Frauen und 34 Männer, sich einen einen Rausch anzutrinken und dann in einem überwachten Labor zu schlafen. Dazu nahmen einige Probanden zwischen 20 und 22 Uhr alkoholische Getränke zu sich, bis sie einen Alkoholpegel von etwa einem Promille erreicht hatten. Das gilt üblicherweise als eine Grenze, bei der ein Rauschzustand erreicht ist. Als Vergleichsgruppe diente den Forschern der Rest der Probanden, sie bekamen Placebo-Getränke ohne Alkohol.

Die Schlafqualität wurde bei allen Testteilnehmern über acht Stunden hinweg mit der sogenannten Polysomnografie überwacht, bei der verschiedene Körperfunktionen wie Herzschlag und Hirnaktivität während des Schlafs aufgezeichnet werden. Darüber hinaus füllten die Probanden Fragebögen aus, wie sie die Nacht erlebt hatten.

Schlaf

Eine große Dosis Alkohol am Abend macht müde und verfestigt den anfänglichen Schlaf - führt aber im zweiten Teil der Nacht zu mehr Wachphasen, zeigte die Auswertung. Diese Effekte waren bei den Frauen trotz des gleichen Alkoholspiegels deutlich ausgeprägter als bei den Männern: Die Frauen hätten ihren subjektiv als deutlich schlechter empfunden als die Männer, was auch von den objektiven Messungen bestätigt wurde - sie waren in der zweiten Hälfte der Schlafphase häufiger und länger wach und hatten insgesamt weniger geschlafen. Zudem fühlten sie sich am nächsten Morgen sehr viel müder als die Männer.

"Ein erheblicher Teil der Bevölkerung verwendet Alkohol regelmäßig, um Einschlafprobleme zu bekämpfen", sagt Arnedt. "Die Tatsache, dass der Alkohol eine negative Wirkung auf den späteren Schlaf hat, ist vielen Menschen dagegen nicht bewusst." Alkohol belastet während des Schlafes den Organismus und das Nervensystem. Der Körper, der eigentlich eine Ruhe- und Aufbauphase erhalten sollte, ist mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt. Zwar schläft der Betroffene schnell ein, aber es handelt sich dabei nicht um eine normale, gesunde Schlafphase - es tritt vielmehr eine abgeschwächte Art von Ohnmacht ein.

Als tatsächlich schlaffördernd stufen Experten nur geringe Mengen Alkohol ein - mehr als 0,2 Liter Wein sollten es in keinem Fall sein.

wbr/dapd