Gestörte Entwicklung Ist das Klonen von Menschen unmöglich?

Wenn US-Forscher Recht behalten, gibt es vorerst keine Klon-Babys: Bei Versuchen mit Affen stieß das Team auf Fehler der Embryo-Entwicklung, die auch das Kopieren von Menschen vereiteln könnten.


Spindeln (rot) mit ausgerichteten Chromosomen (blau): Ursache der Klonfehler
Calvin Simerly

Spindeln (rot) mit ausgerichteten Chromosomen (blau): Ursache der Klonfehler

Das Klonen von Menschen ist möglicherweise von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Das folgern US-amerikanische Wissenschaftler aus Experimenten mit Affen, bei denen sie gravierende Fehler in der Embryonalentwicklung beobachteten. Die neuen Ergebnisse könnten auch erklären, warum bei bisherigen Bemühungen, Primaten zu klonen, große Schwierigkeiten auftraten.

"Die bekannten Klonverfahren, die das Schaf Dolly, Mäuse und andere Haustiere hervorgebracht haben, sind bei nichtmenschlichen Primaten erfolglos", erklärt Gerald Schatten von der University of Pittsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania. Gemeinsam mit seinen Kollegen veröffentlicht der Forscher seine Resultate im Fachmagazin "Science".

Fehlerhafte Spindel mit falsch ausgerichteten Chromosomen: "Derzeit funktioniert es nicht"
Science

Fehlerhafte Spindel mit falsch ausgerichteten Chromosomen: "Derzeit funktioniert es nicht"

Das Team hatte bei seinen Klonversuchen 724 Eizellen von Rhesusaffen entkernt und sie mit Zellkernen verschmolzen, wobei sich die Forscher abwechselnd der vier bisher bekannten Methoden des Zellkerntransfers bedienten. 33 Versuche versprachen zwar anfangs Erfolg: Die Zellen teilten sich und wurden als Embryonen in weibliche Affen eingesetzt.

Wie die Wissenschaftler berichten, kam es jedoch in keinem Fall zu einer Schwangerschaft. Aufnahmen des Erbguts und der Zellstruktur zeigten, dass nach der Teilung in jeder Zelle Probleme mit den Erbgutträgern, den Chromosomen, vorlagen. "Wenn sich Zellen teilen, muss eine Reihe grundlegender Schritte ablaufen, und das war einfach nicht der Fall", erläutert Co-Autor Calvin Simerly.

Ursache der Fehler ist offenbar der so genannte Spindelapparat, ein Gebilde aus Proteinfasern, das bei der Zellteilung zunächst für die präzise Ausrichtung und dann für Trennung der Chromosomenhälften sorgt - so erhält jede neue Zelle einen Chromosomensatz. In den Klonzellen habe sich die Spindel jedoch chaotisch entwickelt, die Chromosomen waren falsch ausgerichtet, berichtet Simerly. Etliche der für die Spindelbildung nötigen Proteine fehlten oder lagen nicht in genügenden Mengen vor.

Aus diesen Beobachtungen schließen die Forscher, dass das reproduktive Klonen von Menschen und Menschenaffen mit den bisherigen Verfahren auf große Hindernisse stößt. Allerdings will Schatten nicht ausschließen, dass diese Schwierigkeiten eines Tages überwunden werden können: "Mit genügend Zeit und Material finden wir vielleicht heraus, wie es doch funktioniert", so der Forscher. "Derzeit funktioniert es aber nicht."

Die neuen Ergebnisse lassen auch die Behauptung der Raëlianer-Sekte noch zweifelhafter erscheinen, als sie es ohnehin schon waren. Die Ufo-Gläubigen wollen mit ihrer Firma "Clonaid" bereits mehreren geklonten Babys zum Leben verholfen haben, sind bisher aber jeden Beweis für ihre angebeblichen Kopierkünste schuldig geblieben.



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