Gewagte Theorie Forscher geben Männern Schuld an Menopause

Fruchtbar bis zum Lebensende - das gilt für die meisten Säugetiere ebenso wie für Männer. Warum also kommen Frauen in die Wechseljahre? Jetzt hat eine Computersimulation ergeben: Weil Männer junge Frauen als Partnerinnen bevorzugen.
Nicht bis ans Lebensende fruchtbar: Warum hat sich die Menopause entwickelt?

Nicht bis ans Lebensende fruchtbar: Warum hat sich die Menopause entwickelt?

Foto: Corbis

Mit der Menopause, also dem Zeitpunkt der letzten Menstruation, endet für Frauen die Lebensphase, in der sie fruchtbar sind. Dass dieser Einschnitt erfolgt, wenn Frauen noch Jahrzehnte länger leben können, ist eine Eigenschaft, die aus dem Tierreich kaum bekannt ist. Nur bei Walen und in Gefangenschaft gehaltenen Schimpansen sei ähnliches beobachtet worden, schreibt ein Forscherteam von der kanadischen McMaster University in Hamilton.

Die Wissenschaftler um Richard Morton haben eine neue Hypothese aufgestellt, wie sich die Menopause im Laufe der menschlichen Evolution entwickelt haben könnte. Laut ihrem im Fachmagazin "PLOS Computational Biology"  vorgestellten Modell ist die Menopause eine Konsequenz daraus, dass Männer jüngere Frauen als Partnerinnen bevorzugen.

Dies widerspricht allerdings zum Beispiel der bekannten - aber auch nicht unumstrittenen - Großmutter-Hypothese. Vereinfacht gesagt, entwickelte sich die Menopause laut dieser These, damit ältere Frauen beim Großziehen ihrer Enkel helfen konnten - und so deren Überlebenschancen verbessern.

Wieso sollte sich Unfruchtbarkeit entwickeln?

Aus einer evolutionären Perspektive ergebe das keinen Sinn, sagt der an der aktuellen Studie beteiligte Forscher Rama Singh. "Wie entwickelt man Unfruchtbarkeit? Das steht im Gegensatz zur gesamten Idee der natürlichen Auslese." Diese würde Fruchtbarkeit und Fortpflanzung begünstigen - und nicht deren Ende.

Ihrer Idee zufolge ist die Menopause entstanden, weil sich im Erbgut Mutationen angesammelt haben, die der weiblichen Fruchtbarkeit ein frühes Ende setzen. Und diese Mutationen konnten sich eben durchsetzen, weil Männer jeglichen Alters junge Frauen als Partnerinnen bevorzugen. Anders gesagt: Weil es unwichtig war, ob Frauen in höherem Alter noch fruchtbar waren, musste dieses Merkmal nicht erhalten bleiben. Die kanadischen Wissenschaftler stützen ihre Hypothese auf Computersimulationen.

Sie führen in ihrem Fachartikel allerdings weitere diskutierte Möglichkeiten auf, die ebenfalls plausibel sein können. So könnte die Menopause auch eine einfache Begleiterscheinung des Alterns sein, die heutzutage oft auftritt - weil Menschen länger leben als früher.

wbr
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