Gewalttat im Gletscher Wer hat Ötzi auf dem Gewissen?

Eine Pfeilwunde in Ötzis Rücken gibt Anlass zu den wildesten Spekulationen. Fiel der Gletschermann vor 5300 Jahren einem finsteren Eifersuchtsdrama zum Opfer?


Gletschermumie Ötzi, Eintrittswunde: "Zwischenmenschliche Probleme"
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Gletschermumie Ötzi, Eintrittswunde: "Zwischenmenschliche Probleme"

Die Ötziforschung steht vor einer schweren Aufgabe: Sie muss den Grund für die Ermordung des Gletschermannes finden. Denn offenbar kam der jungsteinzeitliche Alpenreisende, der nun als verschrumpelte Mumie in einer Kühlkammer in Bozen lagert, nicht auf natürliche Weise ums Leben. Wie Südtiroler Wissenschaftler am Mittwoch mitteilten, steckte in der linken Schulter des Leichnams eine Pfeilspitze.

"Ötzi ist sicher eines gewaltsamen Todes gestorben", sagt der an der Entdeckung beteiligte Pathologe Eduard Egarter. Dass der Gletschermann, ermattet von der beschwerlichen Kraxelei, beim Niedersinken in seinen eigenen Pfeil stürzte, schließen Egarter und seine Kollegen aus: "Diese Theorie konnten wir widerlegen." Auch einen Jagdunfall halten die Wissenschaftler für unwahrscheinlich.

Bleibt also nur eine finstere Bluttat, zu der allerdings noch das Motiv fehlt. Egarter vermutet vage, "dass Probleme im zwischenmenschlichen Bereich zum Tod des Eismanns geführt haben." Durch die neuen Erkenntnisse sieht er die alte Hypothese untermauert, der zufolge Ötzi vor einem Verfolger in die Berge flüchtete. Egarter: "Damals haben sehr raue Sitten geherrscht."

"Das Leben in der Jungsteinzeit war alles andere als idyllisch", sagt auch der Molekularbiologe Franco Rollo, der die Darmbakterien des Gletschermannes untersuchte. Er verweist auf Skelette aus dieser Zeit, in denen man noch Steinwaffen fand. "Das ist ein Beweis dafür, dass es zwischen den Familienstämmen starke Konflikte gab", glaubt der Italiener.

Die wissenschaftliche Großfahndung nach dem Mörder des "Urtirolers" ist bereits eingeläutet: Mitte September soll sich die Forscherzunft in Bozen zu einem Kongress einfinden. Für die italienische Zeitung "La Repubblica" ist der Fall indes schon so gut wie geklärt. Der Grund für die Gewalttat, so das Blatt, war ein Eifersuchtsdrama um Ötzis Ehefrau. Auch über den Täter weiß man Bescheid: Er hatte schwarze Zähne, üblen Mundgeruch und war - natürlich - ein "Sexmonster".



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