Gift-Verdacht EU-Minister bestätigen Genmais-Verbot

Die EU-Kommission ist mit ihrem Versuch, Verbote von genmanipuliertem Mais aufzuheben, an den Regierungen Europas gescheitert. Der Rat der EU-Umweltminister hat die Sperren, die etwa in Deutschland gelten, mit großer Mehrheit bestätigt.


Greenpeace-Protest gegen Genmais: EU-Umweltminister bestätigen Verbote
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Greenpeace-Protest gegen Genmais: EU-Umweltminister bestätigen Verbote

Brüssel/Luxemburg - Die EU-Kommission ist mit ihrer Zulassungspolitik für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen erstmals an einer klaren Ablehnung durch die Regierungen gescheitert. Der Vorschlag Brüssels, die von Deutschland und vier weiteren Ländern einseitig verhängten Verbote gegen bestimmte Genpflanzen wieder aufzuheben, wurde im Rat der EU-Umweltminister in Luxemburg mit großer Mehrheit abgelehnt.

Damit kann in Deutschland das seit Anfang 2000 geltende Verbot der genveränderten Maissorte Bt 176 bestehen bleiben. Auch in Österreich und Luxemburg ist es verboten, die Pflanze anzubauen und zu Lebens- oder Futtermitteln zu verarbeiten. Der Mais des Schweizer Konzerns Syngenta, der durch die gentechnische Veränderung vor Insektenfraß geschützt werden soll, wirkt möglicherweise auch auf nicht schädliche Insekten.

Im Fall der umstrittenen Genmais-Sorte MON 863 des Konzerns Monsanto gab es im Umweltrat weder für noch gegen die von der Kommission vorgeschlagene Marktzulassung eine ausreichende Mehrheit. Damit kann die Behörde die Zulassung dieser Sorte in eigener Verantwortung erteilen.

Die Umweltorganisation Greenpeace hatte am Mittwoch eine Monsanto-Studie veröffentlicht, für die Ratten mit MON 863 gefüttert wurden. Die Nagetiere sollen bei den Experimenten Organschäden erlitten und ein verändertes Blutbild gezeigt haben.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin begrüßte den Beschluss des Ministerrats. "Wir haben berechtigten Grund zur Annahme, dass Bt 176 wegen vergleichsweise hoher Toxingehalte eine Gefahr für die Umwelt darstellt", sagte der Grünen-Politiker. "Der Rat hat unsere am Vorsorgeprinzip orientierte Politik bestätigt."

Greenpeace sprach von einem "historischen Wendepunkt" in der Diskussion um gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel. Die Organisation begrüßte auch die klare Mehrheit im Umweltrat. So entfielen auf die insgesamt 321 Stimmrechte der Mitgliedstaaten nach Ratsangaben je nach Pflanzensorte 234 bis 275 Nein-Stimmen.

Es sei Zeit auf die öffentliche Meinung zu hören, in der zu 80 Prozent ein Verbot gentechnisch veränderter Organismen gefordert werde, so Greenpeace. Die Organisation rief die Kommission auf, nun ihre Forderung nach der Marktzulassung des Monsanto-Genmais zurückzuziehen.



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