Globale Dominanz Rumsfeld lässt Hyperschallwaffen entwickeln

Die USA wollen ihre militärische Dominanz weiter ausbauen: Das Pentagon steckt bis zu 9,4 Millionen Dollar in erste Entwürfe für so genannte Hyperschallwaffen. Mit ihnen soll die US-Luftwaffe jedes Ziel der Welt innerhalb von zwei Stunden angreifen können.


Im Juni 2002 getestete Hyperschall-Rakete: Mit Mach 6,5 ins Ziel
DARPA/ ONR/ Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory

Im Juni 2002 getestete Hyperschall-Rakete: Mit Mach 6,5 ins Ziel

Der Name des Vorhabens hätte treffender kaum ausfallen können: "Falcon" ("Force Application and Launch from Continental U.S.") soll der US-Regierung die Möglichkeit geben, Despoten, "Schurkenstaaten" und Terrorgruppen in aller Welt in kürzester Zeit unter Beschuss zu nehmen. Zwar sind die Streitkräfte der Vereinigten Staaten schon jetzt global präsent, doch sind Stützpunkte teuer und politisch nicht immer unproblematisch. Für Attacken vom Territorium der USA aus sind die bisher existierenden Waffen dagegen oft zu langsam.

Das Pentagon experimentiert deshalb schon seit Jahren mit Raketen und Flugzeugen, die mehr als das Fünffache der Schallgeschwindigkeit erreichen. Die Bemühungen treten nun in die entscheidende Phase: Die US-Luftwaffe und die Pentagon-Entwicklungsabteilung Darpa beauftragten zwölf Unternehmen mit Kosten- und Machbarkeitsstudien für verschiedene Hyperschallwaffen, die sowohl kurz- auch als langfristig gebaut werden sollen.

Flugbombe soll 2010 einsatzbereit sein

Einem Dokument der Darpa zufolge soll bis zum Jahr 2010 eine Hyperschall-Flugbombe inklusive eines neuen Raketensystems einsatzbereit sein. Die Eckdaten des neuen Waffensystems haben die Militärs bereits benannt: Die Flugbombe "Common Aero Vehicle" soll einen bis zu 450 Kilogramm schweren Sprengkopf tragen und bis zu 5500 Kilometer entfernte Ziele treffen.

Hyperschalljet X-43: Große technische Herausforderung
DPA

Hyperschalljet X-43: Große technische Herausforderung

Das satellitengesteuerte Geschoss soll von einer ebenfalls neu zu entwickelnden Rakete in ein niedriges Erdorbit geschossen werden. Das Pentagon setzt auf schnelle Realisierbarkeit: Für nur fünf Millionen Dollar pro Stück soll das Billig-Trägersystem seine tödliche Fracht, aber auch kleinere Satelliten auf die Reise schicken.

Das eigentliche Ziel des "Falcon"-Programms aber ist die Entwicklung eines Hyperschalljets bis zum Jahr 2025. Das "Hypersonic Cruise Vehicle" (HCV) soll von jedem normalen Militärflughafen starten und in weniger als zwei Stunden jedes Ziel in einem Umkreis von 16.700 Kilometern angreifen können.

Technische Herausforderung

Zwischen 6,7 und 9,4 Millionen Dollar lässt sich US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld diese erste Planungsphase des "Falcon"-Programms kosten. In sechs Monaten sollen Konzeptdesigns, Einsatz- und Testpläne für die Flugbombe und ihr Trägersystem sowie den Hyperschalljet vorliegen. Sollte das Material den Pentagon-Strategen zusagen, sollen die Waffen in einer zweiten, drei Jahre dauernden Phase entwickelt und hergestellt werden.

Die Entwicklung der Hyperschallflugkörper stellt die Ingenieure allerdings vor große Probleme. Wegen des enormen Luftwiderstands bei mehrfacher Schallgeschwindigkeit müssen Raketen und Flugzeuge aus äußerst hitzebeständigen Materialien bestehen. Der Flug oberhalb der Erdatmosphäre würde dieses Problem zwar lösen, dafür aber ein anderes schaffen: Konventionelle Strahltriebwerke können ohne Sauerstoff keinen Treibstoff verbrennen.

Bisherige Versuche mit Hyperschallflugzeugen verliefen wenig erfolgreich: Im Juni 2001 etwa testete die Nasa ihren experimentellen Jet "X-43A", der siebenfache Schallgeschwindigkeit erreichen sollte, aber schon in der Startphase abstürzte. Sechs Monate später ereilte einen australischen Mach-7-Jet das gleiche Schicksal. Tests mit einer amerikanischen Hyperschallrakete verliefen dagegen im Sommer 2002 erfolgreich. Das Projektil erreichte Geschwindigkeiten von bis zu Mach 6,5.

Das "Falcon"-Projekt birgt auch politischen Sprengstoff: Die relativ kleinformatigen Hyperschall-Raketen, stationiert auf US-Stützpunkten, würden die Vorwarnzeit für Angriffe drastisch reduzieren - und könnten zudem mit Miniatomsprengköpfen bestückt werden, deren Entwicklung die Regierung von US-Präsident George W. Bush seit der Amtsübernahme betreibt.

Markus Becker



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