Globales Klima CO2-Ausstoß legt 2017 wieder zu

Drei Jahre lang stagnierten die globalen CO2-Emissionen - doch 2017 geht es laut einer neuen Schätzung wieder nach oben. Schuld daran ist unter anderem China.
Stahlfabrik in China

Stahlfabrik in China

Foto: Kevin Frayer/ Getty Images

Wir sind noch nicht über den Berg, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Staaten der Erde haben auf dem Klimagipfel von Paris beschlossen, die Erderwärmung auf zwei - am besten sogar anderthalb - Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Doch dafür müssen die CO2-Emissionen möglichst bald sinken (siehe Grafik unten). Auch wenn das bisher noch nicht passiert ist - in den vergangenen drei Jahren stagnierte der Kohlendioxid-Ausstoß zumindest.

Doch auf dieses Hochplateau zwischen 2014 bis 2016 folgt in diesem Jahr offenbar ein weiterer Anstieg. Ob das der Höhepunkt ist, wird sich noch zeigen. Zu diesem Schluss kommen die Forscher des Global Carbon Project. Sie präsentierten am Montag auf dem Klimagipfel in Bonn ihre Rechnung für 2017, wonach der globale CO2-Ausstoß um etwa zwei Prozent zulegen dürfte. Verantwortlich dafür ist - unter anderem - der größte Treibhausgasproduzent der Welt: die Volksrepublik China.

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In gleich drei Artikeln in den Fachmagazinen "Nature Climate Change ", "Environmental Research Letters " und "Earth System Science Data Discussions " veröffentlichen die Forscher ihre Erkenntnisse. Es ist die zwölfte globale Treibhausgasbilanz dieser Art. "Es ist viel zu früh zu erklären, dass wir eine Trendwende haben und der Weg in Richtung von null Emissionen eingeschlagen ist", beklagt Glenn Peters vom Klimaforschungszentrum Cicero in Norwegens Hauptstadt Oslo.

Weltweite CO2-Emissionen (2016)

CO2-Emissionen in Gigatonnen Globaler Anteil in Prozent Pro-Kopf-Emissionen in Tonnen pro Jahr
China 10.2 26 7.2
USA 5.3 14 16.5
EU 3.5 9.1 6.9
Indien 2.4 6.3 1.8
Russland 1.6 4.3 11.4
Japan 1.2 3.2 9.5
Deutschland 0.80 2.1 9.8
Iran 0.66 1.7 8.2
Saudi Arabien 0.63 1.7 19.7
Südkorea 0.60 1.6 11.7
Kanada 0.56 1.5 15.5
Indonesien 0.50 1.3 1.9
Brasilien 0.49 1.3 2.3
Südafrika 0.47 1.2 8.3
Mexiko 0.46 1.2 3.6
Türkei 0.40 1.1 5.1
Australien 0.40 1.0 16.5
Großbitannien 0.39 1.0 5.9
Italien 0.36 0.9 6.0
Frankreich 0.34 0.9 5.3
Daten teils vorläufig, Globaler Anteil ohne Schiffstreibstoffe berechnet

Es ist wie eigentlich immer bei seriöser Wissenschaft, die Schätzungen der Forscher kommen mit gehörigen Unsicherheiten daher. Die prognostizierten zwei Prozent Steigerung können tatsächlich auch irgendwo zwischen 0,8 und 3 Prozent liegen. Das hat damit zu tun, dass die Forscher für die Bilanz auf Statistiken der Staaten angewiesen sind - und darauf, dass die dort gemachten Angaben auch stimmen. Bis sich eine Veränderung der Emissionen verlässlich in atmosphärischen CO2-Messwerten niederschlägt, können bis zu zehn Jahre vergehen.

Der Trend scheint klar: Die Menschheit dürfte das Maximum beim CO2-Ausstoß noch nicht erreicht haben. "Wir wissen nicht, ob es sich beim Anstieg der Emissionen im Jahr 2017 um einen Ausreißer handelt oder ob wir es mit Veränderungen zu tun haben, die in den kommenden Jahren für einen Aufwärtsdruck sorgen werden", sagt Cicero-Forscher Jan Ivar Korsbakken. Von einem massiven Anstieg der Emissionen in den kommenden Jahren gehen die Forscher aber derzeit nicht aus.

Entscheidender Faktor ist China: Dort dürften die Emissionen in diesem Jahr um etwa 3,5 Prozent steigen (wegen Unsicherheiten bei der Prognose könnte der Wert tatsächlich bei 0,7 bis 5,4 Prozent liegen), nach zwei Jahren des Rückgangs. Schuld daran ist die verstärkte Verbrennung von Kohle, Öl und Gas.

Die Wirtschaftsleistung und die Industrieproduktion im Land haben zuletzt deutlich zugelegt. Womöglich habe die Staatsführung im Vorfeld des Nationalen Volkskongresses aus politischen Gründen gute Zahlen vorweisen wollen, vermuten die Forscher.

Inzwischen scheine sich das Wachstum abzuschwächen. Gleichzeitig produzieren die chinesischen Wasserkraftwerke - zwischenzeitlich wegen geringer Niederschläge schlecht ausgelastet - wieder mehr Strom. Die Rechnung im kommenden Jahr könnte also womöglich wieder besser aussehen.

In den USA dürften die Emissionen in diesem Jahr um 0,4 Prozent sinken (-2,7 Prozent bis +1,9 Prozent möglich). Das ist ein deutlich geringerer Rückgang als im Schnitt des vergangenen Jahrzehnts, als -1,2 Prozent pro Jahr erreicht wurden. Wegen höherer Preise wurde im Land zuletzt weniger Erdgas genutzt - und neben Wasserkraft und Erneuerbaren Energien konnte auch Kohle zulegen, zum ersten Mal seit fünf Jahren.

Der CO2-Ausstoß von Indien wird den Schätzungen zufolge in diesem Jahr um zwei Prozent zulegen (möglich sind 0,2 bis 3,8 Prozent). Das ist ein vergleichsweise geringer Anstieg, im vergangenen Jahrzehnt hatte dieser durchschnittlich bei sechs Prozent pro Jahr gelegen. Schuld sind nach Ansicht der Forscher Eingriffe der Regierung in die Wirtschaft, die etwa zu einem starken Sinken der Zementproduktion geführt hätten. Längerfristig könnten die Emissionen daher wieder stärker steigen.

In der Europäischen Union dürften die CO2-Emissionen in diesem Jahr nur minimal sinken. Prognostiziert ist ein Minus von 0,2 Prozent (möglich sind -2,0 Prozent bis +1,6 Prozent). Im Schnitt des vergangenen Jahrzehnts hatte es noch ein Minus von 2,2 Prozent pro Jahr gegeben. Ein Teil des Problems ist, dass Deutschland bei seinen Klimazielen nicht vorankommt. (Unbenommen davon sind die Verdienste deutscher Klimadiplomaten, mehr dazu lesen Sie hier.)

Auch wenn inzwischen alle Staaten der Welt außer den USA mitmachen wollen: Bereits seit geraumer Zeit ist klar, dass die Versprechen der Staaten vom Klimagipfel in Paris vor zwei Jahren nicht ausreichen, um die Folgen des Klimawandels auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. Wie schnell der Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung passieren muss, in welchem Maß in den kommenden Jahrzehnten Kohlendioxid wieder aufwendig aus der Erdatmosphäre geholt werden sollte, ob weitere kühlende Eingriffe ins Weltklima nötig sind, wird unter Forschern teils kontrovers diskutiert.

Aber die Rechnungen des Global Carbon Project belegen: In diesem Jahr dürfte die Menschheit durch Industrie, die Verbrennung fossiler Rohstoffe und die Abholzung von Wäldern um die 41 Gigatonnen CO2 in die Erdatmosphäre pusten. Ein so hoher Wert wurde bisher nur einmal erreicht, im Jahr 2015. Und bis spätestens zur Mitte des Jahrhunderts - heutige Kindergartenkinder sind dann ein paar Jahre in ihrem Job - muss der Wert bei null liegen.

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