Erbgut-Vergleich Dänisch sein macht glücklich

Warum liegen Dänen in Ranglisten zur Zufriedenheit meist vorne? Ein Erbgut-Vergleich zeigt: Die Ursache könnte in den Genen liegen. Selbst wer nur entfernte Verwandte in Dänemark hat, ist eher glücklich.
Dänische Fußballfans: Eigentlich geht es uns ziemlich gut

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Foto: Kerim Okten/ dpa

Was zu meckern gibt es immer. Die Deutschen sind als Volk der notorischen Nörgler bekannt. In Rankings zur Lebenszufriedenheit schneiden sie eher mittelmäßig ab. Nun haben Forscher einen Grund für den ewigen Pessimismus gefunden: Uns fehlen die Gene zum Glücklichsein. Oder im Kontext der aktuellen Studie formuliert: Die Deutschen sind zu wenig dänisch.

Im Gegensatz zur tendenziell pessimistischen deutschen Bevölkerung sind die Dänen überdurchschnittlich glücklich mit ihrem Leben, wie Ranglisten zur Zufriedenheit zeigen. In der Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) von 2013  landeten sie hinter der Schweiz und Norwegen auf Platz drei unter 36 untersuchten Staaten. Deutschland belegte lediglich Platz 18 und liegt damit hinter Ländern wie Mexiko und Brasilien. Würde man die Zufriedenheit nach Einkommen, Arbeitslosenquote und Bildungsstand ermitteln, müsste der Abstand zwischen Deutschland und Dänemark deutlich kleiner sein.

Gene, die glücklich machen

Nun haben Eugenio Proto und Andrew Oswald von der University of Warwick im Vereinten Königreich einen Zusammenhang zwischen typisch dänischen Genen und der Lebenszufriedenheit unterschiedlicher Volksgruppen entdeckt. Er könnte erklären, warum die Dänen so überaus optimistisch und die Deutschen so nörgelig sind.

Proto und Oswald verglichen Studien aus gut 130 Ländern zur Zufriedenheit mit genetischen Informationen aus den jeweiligen Staaten. Je ähnlicher eine Nation den Dänen genetisch war, desto höher schätzten Befragte ihre Lebensqualität ein. Um sicherzugehen, dass nicht andere Faktoren ausschlaggebend für die große Zufriedenheit waren, rechneten die Forscher beispielsweise Unterschiede im Einkommen oder der Religion heraus.

Einen wichtigen Teil der genetischen Unterschiede könnte eine Mutation ausmachen, die vermutlich bei der Entstehung von Depressionen wichtig ist, zeigte ein zweiter Vergleich unter 30 Nationen. Das von der Mutation betroffene Gen steuert die Aufnahme des Glückshormons Serotonin in den Hirnzellen. Ist es verändert, verleitet das die Betroffenen der Theorie nach eher zum Trübsalblasen.

Depri-Gen bei Italienern besonders häufig

"Die Dänen haben den höchsten Zufriedenheitsgrad und gleichzeitig den geringsten Anteil der Mutation in der Bevölkerung", schreiben Proto und Oswald. Auch in den Niederlanden, wo die Menschen ebenfalls sehr zufrieden sind, ist die Genveränderung selten. Die Deutschen liegen im Mittelfeld: Sie sind mittelmäßig zufrieden, und auch die Genmutation kommt durchschnittlich häufig vor. Bei den noch mürrischeren Italienern war die Mutation in der Untersuchung am häufigsten.

Ebenfalls für dänische Glücksgene spricht die dritte Beobachtung der Forscher: Sie zeigt, dass Amerikaner mit dänischen Vorfahren besonders zufrieden sind.

Eindeutig lasse sich der Zusammenhang aber noch nicht nachweisen, schränken Proto und Oswald ihre eigene Arbeit ein. Die Forscher stellten die Untersuchung derzeit zunächst zur Diskussion in einer Veröffentlichung des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit  vor. Es müssten mehr Daten her, um einen kausalen Zusammenhang eindeutig nachzuweisen.

Klar ist dagegen: Sollte es eine genetische Veranlagung zum Glücklichsein geben, ist sie allein keine Garantie für ein zufriedenes Leben. Den Deutschen könnte ein bisschen mehr dänischer Optimismus aber zu erkennen helfen: Eigentlich geht es ihnen ziemlich gut.