Glücklich hinter Gittern Meditation macht Häftlinge gefügig

Nach Jahren im Knast werden Häftlinge entweder aufsässig oder depressiv. Eine indische Meditationstechnik kann Verhalten und Wohlbefinden der schweren Jungs verbessern, glaubt ein Psychologe.


Gefängnis (in Marseille): Meditation schafft Disziplin
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Gefängnis (in Marseille): Meditation schafft Disziplin

Das Gefängnis ist ein Ort der Läuterung. Das nahmen indische Anstaltsdirektoren vor einigen Jahren wörtlich - und boten ihren Häftlingen Vipassana-Kurse an. Die Meditationstechnik, bei der man aus tiefem Schweigen neue Kraft schöpfen soll, wurde mittlerweile auch in Gefängnissen in den USA, Neuseeland und Großbritannien erprobt.

Um die Wirksamkeit der Kurse zu überprüfen, hat der Psychologe Kishore Chandiramani nun mehrere Gefängniswärter eingehend zu ihren Erfahrungen befragt. Das Mentaltraining verbessert demnach nicht nur die Disziplin und Kooperationsbereitschaft der Insassen. Praktizierende Häftlinge neigen offenbar auch seltener zu Depressionen - und rauchen sogar weniger. Seine Ergebnisse stellte Chandiramani, der an einer Klinik in Birmingham arbeitet, auf dem Jahrestreffen des Royal College of Psychiatrists in London vor.

"Diese Technik ist eine sehr intensive Form der Meditation", sagte der Wissenschaftler gegenüber "BBC News Online". "Sie funktioniert besonders gut bei Menschen mit einem gewissen geistigen Niveau." Bei raubeinigen Gesellen war die Methode zwar weniger erfolgreich, dafür begann häufig auch das Personal zu meditieren.

In den USA wird die indische Art der Knast-Entspannung ebenfalls wissenschaftlich untersucht. Die National Institutes of Health haben eine Studie in Auftrag gegeben, die klären soll, ob Vipassana-Kurse Drogensucht und kriminelles Verhalten unter den Häftlingen eindämmen können.



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