Pestizid mit möglichem Krebsrisiko US-Umweltbehörde hält Glyphosat für unbedenklich

Im Gegensatz zu mehreren US-Gerichten sieht die amerikanische Umweltbehörde bei Glyphosat keine Gefahr für den Menschen. Dem Bayer-Konzern drohen trotzdem Strafzahlungen in Milliardenhöhe.
Bayer-Logo am Werk in Wuppertal (Archivbild): Mehr als 40.000 Kläger in den USA

Bayer-Logo am Werk in Wuppertal (Archivbild): Mehr als 40.000 Kläger in den USA

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Oliver Berg/ dpa

Der deutsche Chemiekonzern Bayer bekommt im Glyphosat-Streit Rückendeckung von der US-Umweltbehörde: Die EPA (United States Environmental Protection Agency) hält das Unkrautvernichtungsmittel im Gegensatz zu mehreren US-Gerichten weiterhin für nicht krebserregend. Die Behörde teilte mit, eine neue Überprüfung abgeschlossen zu haben. Das Pestizid sei bei vorschriftsgemäßem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko für den Menschen einzustufen.

Damit hält die EPA trotz der hitzigen öffentlichen Debatte über angebliche Krebsgefahren von Glyphosat an ihrer Linie fest. Bayer begrüßte die Entscheidung in einem Statement. Der Konzern ist in den USA wegen des Pestizids mit über 42.700 Klägern konfrontiert.

Bayer hatte sich 2018 mit dem mehr als 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat ins Haus geholt. Die ersten drei US-Prozesse wegen angeblich krebserregender Unkrautvernichtungsmittel von Monsanto hatte Bayer verloren und hohe Schadensersatzurteile kassiert.

Gerichte dringen auf Vergleich in Milliardenhöhe

Der Konzern hat die Schuldsprüche jedoch angefochten und erhielt in einem Berufungsverfahren zuletzt Unterstützung von der US-Regierung, die einen sogenannten Amicus-Schriftsatz zugunsten von Bayer bei Gericht einreichte. Ein solcher Schriftsatz stellt dem Gericht nähere Informationen zu einer bestimmten Sachfrage zur Verfügung. Analysten erwarten, dass sich Bayer über kurz oder lang auf einen milliardenschweren Vergleich mit den Klägern in den USA einigt. Darauf dringen auch die zuständigen Gerichte.

Dass Glyphosat immer wieder als krebserregend beschrieben wird, liegt vor allem an einer Einschätzung der zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörenden Krebsagentur IARC aus dem Jahr 2015. Sie stufte Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Die IARC untersucht allerdings nicht, ob ein Stoff bei der Anwendung im Alltag Krebs erzeugt, sondern ob er grundsätzlich dazu in der Lage ist. So stuft die IARC etwa auch den Friseurberuf als "wahrscheinlich krebserregend" ein, Sonnenstrahlen und Alkohol als "sicher krebserregend". Insgesamt hat die IARC bislang gut tausend Stoffe untersucht - nur einen einzigen bewertete sie als "wahrscheinlich nicht krebserregend", 501 hielt sie für "nicht klassifizierbar".

jki/dpa