Gold und Edelsteine Forscher hoffen auf weitere Funde im Schatztempel

Es ist einer der spektakulärsten Schatzfunde der Geschichte: In einem indischem Hindu-Tempel haben Forscher Gold und Edelsteine im Wert von mehreren Milliarden Euro aufgespürt. Nun sollen weitere Kammern geöffnet werden, die Experten hoffen auf neue sensationelle Entdeckungen.


Hamburg - Die Forscher staunten, als sie die Kammern im Keller eines Hindu-Tempels im Süden Indiens öffneten. Rund 150 Jahre lang waren die Räume verschlossen - jetzt offenbaren sie einen gigantischen Schatz aus Diamanten, Rubinen, Smaragden, Gold und Silber in unglaublichen Mengen.

Nach Angaben eines hohen Regierungsbeamten des südindischen Unionsstaats Kerala wird der Wert auf 500 Milliarden Rupien geschätzt - das sind umgerechnet 7,7 Milliarden Euro. Ein früherer Richter des Obersten Gerichts in Kerala erklärte gar, der Schatz sei möglicherweise umgerechnet bis zu 15 Milliarden Euro wert. Der antike und archäologische Wert sei noch nicht berücksichtigt worden.

Und selbst das ist womöglich noch nicht alles. Nach der Öffnung der ersten fünf Geheimkammern wird nun mit Spannung erwartet, was sich in einem weiteren Raum befindet. Er sollte noch am Montag ausgekundschaftet werden. Eine siebte Kammer wird derzeit noch von Eisenwänden gesichert und soll nur nach einer Anweisung des indischen Obersten Gerichtshofs geöffnet werden.

Der Tempel Sri Padmanabhaswamy, der in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram liegt, wird mittlerweile streng abgeschirmt: Rund hundert bewaffnete Polizisten bildeten drei Sicherheitsketten um den Bau, erklärte die regionale Regierung am Montag. Der Schatz werde rund um die Uhr bewacht, zudem solle ein spezielles Kontrollzentrum eingerichtet werden.

Zentnerweise Gold und Edelsteine

Die staatliche Behörde zur Erhaltung von Kulturgütern (ASI) zeigte sich verblüfft über den Fund. "Kein Archäologe hat jemals erlebt, dass eine Geheimkammer nach der anderen geöffnet wird und Schätze wie diese entdeckt werden", sagte ASI-Generaldirektor Gautam Sengupta. Bei den Schätzen soll es sich um die Gaben von Gläubigen handeln, die sich über Jahrhunderte angesammelt haben.

Ein Tempelbeamter sagte, der Schatz enthalte seltene und wertvolle Steine. Eine der Halsketten soll rund sechs Meter lang sein. Nach einem Bericht der Zeitung "Hindustan Times" wurden 536 Kilogramm Goldmünzen aus dem 18. Jahrhundert, diamantbesetzte Teller, Rubine und Smaragde gefunden. Die "Times of India" berichtete über eine Tonne Goldmünzen aus der Zeit Napoleons sowie Säcke voller Diamanten und Goldstatuen.

Die bisherigen Schätzungen über den Wert der Funde dürften allerdings spekulativ sein. Ein Regierungsbeamter erklärte, Genaueres lasse sich erst nach einer eingehenden Untersuchung durch Archäologen sagen, deren Ergebnis dem Obersten Gericht übermittelt werde.

Bislang gehörte der Tempel samt seiner unterirdischen Kammern den Nachfahren der Königsfamilie Travancore, die die Anlage im 16. Jahrhundert erbaut hatte. Doch die bisherigen Eigentümer hatten nicht mehr genug Geld, um für die Sicherheit des Geländes zu sorgen. Gegen den Widerstand der Nachfahren ordnete das Oberste Gericht in Neu-Delhi daher vor kurzem die Übernahme der Kultstätte durch den Staat Kerala an.

Wer bekommt die Reichtümer?

Schon hat eine Debatte um die Zukunft des Schatzes begonnen. Vellappally Nateshan, ein prominenter Hindu, forderte den Verbleib der Preziosen im Tempel. Ähnlich äußerte sich auch Keralas oberster Minister Oommen Chandy. Der Schatz sei "Besitz des Tempels" und werde als solcher von der Polizei geschützt. Sozialaktivisten in Kerala verlangten dagegen, dass das Geld in eine nationale Stiftung übergeht und für die Armen eingesetzt wird, von denen es in Indien fast eine halbe Milliarde gibt.

In Indien ist es keine Seltenheit, dass Tempel enorme Reichtümer anhäufen. Gläubige Hindus spenden jedes Jahr große Mengen an Geld und Edelmetallen. Manche Tempel sollen über Milliarden Dollar verfügen - und betreiben unter anderem Schulen, Hochschulen und Krankenhäuser.

Dass auch der Tempel Sri Padmanabhaswamy über große Reichtümer verfügt, ist für Historiker keine Überraschung, denn durch die Region führten jahrhundertelang lukrative Handelswege. "Händler brachten der Gottheit oft wertvolle Opfergaben dar", sagte P.J. Cherian, Direktor des Rats für Geschichtsforschung in Kerala. Das sei nicht nur aus religiösen Gründe geschehen - sondern auch, "um die damaligen Herrscher zu erfreuen".

mbe/dapd/AFP/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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jot-we, 04.07.2011
1. °!°
Sehr erfreulich, dass es mit dem "Kammer-öffnen" auch mal richtig flott gehen kann, und nicht nur mit der notorischen Saumseligkeit eines Zahi Hawass, des pyramidalen Gralshüters in Kairo.
the_flying_horse, 04.07.2011
2. So ein Mist
So ein Mist, den Tempel habe ich mal besichtigt inkl. der damals zugänglichen offenen Kammern... wenn ich das geahnt hätte, hätte ich da Mal an der Tür der anderen Kammern gerüttelt...;) Naja, man kann nicht alles haben... also weiter arbeiten... Trotzdem: der Schatz sollte schon da raus geholt werden um Projekte für Bedürftige zu finanzieren. Das wäre auch im Sinne der Spender. Auf Dauer ließe sich der Schatz in dem Tempel sicher nicht bewachen, weil man dann auch bewacher für die Bewacher brauchen würde... die Menge der Schätze verführt einfach.
Teile1977 04.07.2011
3. Vatikan?
Na dann warte ich mal darauf das im Vatikan die "Geheimtüren" geöffnet werden. Meiner Meinung nach gehört das Geld nicht den Tempelbesitzern oder dem Staat, sondern der Bevölkerung. Es sollten Schulen und Krankenhäuser damit finanziert werden.
nebukadnezr 04.07.2011
4. Schatzsucher
Zitat von sysopEs ist einer der spektakulärsten Schatzfunde der Geschichte: In einem indischem Hindu-Tempel sind Forscher auf*Gold und Edelsteine im Wert von Milliarden Euro gestoßen. Nun sollen weitere Kammern geöffnet werden, die Experten hoffen auf weitere Entdeckungen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,772193,00.html
Bei solchen Schätzen muss sich das plündern doch lohnen ;( Scherz beiseite, wenn da so Reichtümer sind, wieso konnten die alten Besitzer ihren Tempel nicht instandhalten, man kann das doch kommerzialisieren? Oder war da Zwangsenteignung durch den Staat? Immer noch müssen so viele Inder hunger leiden und da legt soviel Gold rum... Naja, Religion ist Opium fürs Volk.
brain_in_a_tank, 04.07.2011
5. ...
Zitat von nebukadnezrBei solchen Schätzen muss sich das plündern doch lohnen ;( Scherz beiseite, wenn da so Reichtümer sind, wieso konnten die alten Besitzer ihren Tempel nicht instandhalten, man kann das doch kommerzialisieren? Oder war da Zwangsenteignung durch den Staat? Immer noch müssen so viele Inder hunger leiden und da legt soviel Gold rum... Naja, Religion ist Opium fürs Volk.
Es war eine Art Zwangsenteignung: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,772021,00.html Anscheinend haben die ehemaligen Besitzer nun nichts mehr zu vermelden, was die Schatztuemer angeht. Es faellt leicht, auf den Gedangen zu kommen, dass Wissenschaftler ueber moegliche Schaetze im Tempel spekuliert haben, und somit eine Zwangsenteignung forzierten. Ist ja recht praktisch, gleich die Schaetze mit abzustauben. Es sollte alles der Oeffentlichkeit in einem Museeum zugaenglich gemacht werden, und die Einnahmen durch den Eintritt teilweise Projekten zur Hilfe der Armen zur Verfuegung gestellt werden.
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