Goldfund in Sibirien Archäologen entdecken prächtige Fürstengruft

In Südsibirien ist ein deutsch-russisches Archäologenteam auf ein fast unberührtes Grab eines skythischen Fürsten gestoßen. Zu den kostbaren Beigaben zählt auch ein drei Kilo schwerer Halsreif aus massivem Gold.


Skythisches Fürstengrab: Goldstiefel und Rauschmittel
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Skythisches Fürstengrab: Goldstiefel und Rauschmittel

Berlin - Die knapp 2500 Jahre alte Gruft gehört zu einer skythischen Nekropole bei Arzan in der Autonomen Republik Tuva. Mit ihren prächtigen Beigaben sei die Ruhestätte das reichste der Forschung bisher bekannte Grab jenseits des Urals, erklärte am Freitag Hermann Parzinger vom Deutschen Archäologischen Institut, der die Grabungen zusammen mit seinen Kollegen Anatoli Nagler und Konstantin Cugunov geleitet hatte.

Der bisher nur zu einem Drittel freigelegte Grabhügel war von einer rund 70 Meter breiten Steinplattform bedeckt. In der mit Lärchenholz eingefassten Ruhestätte fanden die Wissenschaftler zwei Skelette, bei denen es sich Parzinger zufolge um einen Stammesfürsten der Skythen und seine Gemahlin handeln könnte. Nach skythischem Brauch wurde beim Tod eines Mannes auch dessen Frau getötet.

Von der gehobenen Stellung des Mannes zeugen die Kostbarkeiten, mit denen die Leichen dekoriert waren. Zu den insgesamt 6000 Stücken gehören mit Gold verwirkte Gewänder, goldene Stiefelschäfte, Haarnadeln sowie vergoldete Pfeile und Messer. Wichtigster Fund ist laut Parzinger ein rund drei Kilo schwerer und mit Tierornamenten verzierter Halsreif aus Massivgold. Bei den Skeletten wurden auch Mohn- und Hanfsamen entdeckt, mit denen sich die Skythen berauschten.

Das indoeuropäische Volk der Skythen ließ sich im ersten Jahrtausend vor Christus am Schwarzen Meer nieder, wo es mit der griechischen Kultur in Berührung kam. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurden sie aus ihren Gebieten nach Osten verdrängt, wo die Nomaden zum Ackerbau übergingen und feste Wohnsitze und Befestigungsanlagen bauten. Die Macht und der Reichtum der Stammesfürsten spiegeln sich in den prächtigen Grabstätten wider.

Auch in der Ukraine waren Wissenschaftler auf skythische Gräber mit reichen Beigaben gestoßen. Während es sich dabei vor allem um Arbeiten mit griechischem Einfluss handelte, gelten die neuesten Entdeckungen als eigenständige künstlerische Leistung der Skythen. Einige Gegenstände weisen den so genannten skythischen Tierstil auf, viele sind großzügig mit Gold verziert.

Die Ausgrabungen hatten im vergangenen Jahr begonnen und sollen im nächsten Frühjahr abgeschlossen sein. Wie die Forscher mitteilten, wird die Grabanlage derzeit von der russischen Polizei streng bewacht. Die kostbaren Funde sollen zunächst zur Restaurierung in das Staatliche Museum Eremitage in Sankt Petersburg gebracht werden.



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