Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung Gorleben wird kein Endlager

Im Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung sind nach SPIEGEL-Informationen ganze Regionen und große Städte als mögliche Endlagerstandorte ausgewiesen. Gorleben fehlt auf der Liste.
Das umstrittene Erkundungsbergwerk in Gorleben

 Das umstrittene Erkundungsbergwerk in Gorleben

Foto: DPA

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung macht es spannend: Seit Wochen kursieren Gerüchte über mögliche Teilgebiete für ein deutsches Atomendlager. Es ist ein hochsensibles Thema, deshalb wurde der Bericht streng geheim gehalten. Nur Gutachter und die Mitglieder des Nationalen Begleitgremiums konnten ihn bereits einsehen - mussten aber eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben.

Am Sonntagabend informierte die BGE dann das federführende Bundesumweltministerium und die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag über die Eckpunkte des Papiers - allerdings nur mündlich. Selbst dem Umweltministerium liegt am Vorabend vor der Veröffentlichung der Bericht noch nicht vor.

Gorleben ist raus - bayerische Gebiete sind drin

Das liegt wahrscheinlich am brisanten Inhalt des Berichts. Viele Anti-Atom-Aktivisten hatten gehofft, dass der umstrittene Salzstock im niedersächsischen Gorleben endlich aus der Auswahl für ein Atomendlager rausfällt. Wie der SPIEGEL aus Fraktionskreisen erfuhr, ist Gorleben als "Teilgebiet" nicht ausgewiesen und demnach komplett aus dem Rennen. Dafür sind Teile von Bayern nun erstmals auf der Liste - sicher zum Ärger der bayerischen Landesregierung, die in ihrem Koalitionsvertrag erklärte, dass Bayern nicht für ein Endlager geeignet sei.

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Mit auf der Liste sind auch Städte. "Es wurde rein nach geologischen, nicht geografischen Gesichtspunkten vorgegangen", sagte eine mit dem Bericht vertraute Person dem SPIEGEL und fügte hinzu: "Es wird einige Bürger geben, die überrascht sein werden, dass auch ihre Region dabei sein wird." Insgesamt sollen 54 Prozent der deutschen Landesfläche ausgewiesen sein. Die Liste umfasst 90 Teilgebiete. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung will den Zwischenbericht am Montagmorgen um 10 Uhr in Berlin vorstellen.

Entscheidung bis 2031

Der Atommüll soll bis zu eine Million Jahre sicher im Untergrund gelagert werden. Die BGE arbeitete drei Jahre lang an ihrem Zwischenbericht. Dafür haben 70 Wissenschaftler geologische Daten aus ganz Deutschland zusammengetragen. Sie gingen nach dem Prinzip der "weißen Landkarte" vor. Laut dem 2017 verabschiedeten Standortauswahlgesetz kam damit grundsätzlich jedes Gebiet infrage, das bestimmte Kriterien erfüllt. Um den jahrelangen Streit über den Standort Gorleben zu befrieden, war die bundesweite Endlagererkundung auf null gesetzt worden. Das erklärt, dass auch Großstädte oder Teile von Bayern auf der Teilgebietsliste stehen, die bisher noch nie eine Rolle in der Endlagerdiskussion spielten.

Laut Standortsuchgesetz soll die Suche 2031 mit einer Entscheidung für einen Standort enden. Die Bekanntgabe der Teilgebiete ist nur der Anfang dieses langen Prozesses. In einem zweiten Schritt will die BGE dann weiter aussieben.

Dafür soll sie aus den am Montag veröffentlichten "Teilgebieten" Standorte für eine übertägige Erkundung vorschlagen. Bundestag und Bundesrat müssen dieser Liste zustimmen. Dann dürften vor allem Gebiete mit einer starken Bevölkerungsdichte wegfallen. Viele Gebiete sind deshalb nur provisorisch auf der Endlagerliste. Erst danach können Geologen beginnen, die Regionen näher zu untersuchen.

sug
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