Grab in Italien Paar umarmt sich seit 5000 Jahren

Bei Ausgrabungen in Norditalien haben Archäologen ein eng umschlungenes Paar entdeckt. Die Bestattung liegt vermutlich 5000 bis 6000 Jahre zurück. Doppelbegräbnisse waren in der Jungsteinzeit nicht außergewöhnlich.

"Es ist ein außergewöhnlicher Fall", sagte Elena Menotti, die die Ausgrabungen nahe der norditalienischen Stadt Mantua leitet. Sie kenne keine Doppelgräber mit eng umschlungenen Personen aus der Jungsteinzeit. "Und diese umarmen sich wirklich."

Die Experten schätzen, dass das Paar vor 5000 bis 6000 Jahren bestattet wurde. Bei den beiden handle es sich wahrscheinlich um einen Mann und eine Frau, dies müsse jedoch noch wissenschaftlich bestätigt werden. Menotti geht davon aus, dass die beiden jung verstarben. Darauf deuteten das noch fast vollständige Gebiss und die geringe Abnutzung der Zähne hin.

Als sie das Grab entdeckten, seien die Archäologen vollkommen außer sich geraten, berichtete Menotti. "Ich mache diesen Job seit 25 Jahren. Ich habe Ausgrabungen in Pompeji und an allen wichtigen Stätten der Welt gemacht. Aber ich war niemals so bewegt, denn dieser Fund ist wirklich etwas besonderes." Untersuchungen sollen nun darüber Aufschluss geben, wie alt die beiden wurden und wann genau man sie bestattete.

Doppel- und Mehrfachgräber waren in der Jungsteinzeit keine Seltenheit. Auch bei früheren Funden waren die Bestatteten teils eng miteinander umschlungen. Zu den bekannteren Doppelgräbern zählt jenes, das 1914 in Oberkassel entdeckt wurde. Die Bestattung des Mannes und der Frau liegt bereits mehr als 10.000 Jahre zurück.

Etwa aus derselben Zeit wie der neue Fund in Norditalien stammt das Doppelgrab von Murr (Landkreis Freising). Es gehört zur Münchshöfener Kultur, die den Zeitraum von 4500 bis 3500 vor Christus umfasst. Zuletzt waren Archäologen im Januar in Sachsen-Anhalt bei Karsdorf (Burgenlandkreis) auf ein Doppelgrab gestoßen. Darin lagen eine Frau und ein Junge, nicht älter als zehn Jahre. "Die beiden Personen müssen gleichzeitig gestorben sein", sagte Hans Joachim Behnke vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Ob es Mutter und Sohn seien, könne nur eine DNA-Untersuchung zeigen. Derartige Gräber seien sehr selten, sagte Behnke.

hda/rtr/dpa

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