Grabung bei San Francisco Was von der Hippie-Kommune übrig blieb

2. Teil: In die Schatzkiste geht's nur mit Schutzanzug


Schon vor zwölf Jahren hatte der Forscher einen ersten Anlauf unternommen, sich der Burdell-Villa archäologisch zu nähern. Bei den Arbeiten wurde aber eine hohe Asbestbelastung festgestellt. Der Grabungsschutt wurde daraufhin in Spezialcontainern eingelagert. Erst Anfang dieses Jahres öffneten Spezialisten in Schutzanzügen dann die Behälter. Sie dekontaminierten die Fundstücke und übergaben sie dem Archäologen.

"Diese Container sind wie eine Schatzkiste - eine Momentaufnahme des Lebens in Olompali im Jahr 1969", sagt Parkman erfreut. Die Archäologen fanden eine Mischung aus hippietypischen Artefakten und sehr persönlichen Gegenständen, etwa ein gewebtes Stirnband und eine braune Lederjacke mit Regenbogen und Blumen. Symbolcharakter hat mit Sicherheit auch die geschmolzene Lavalampe, die Parkman in dem Schutt fand.

Und natürlich stießen die Forscher auf Tonbänder und Lautsprecher. Was wäre eine Hippie-Villa ohne Musik?

Allerdings passen die angekohlten Labels der Schallplatten nicht mehr ganz ins Bild. "Ich hatte erwartet, Alben der Grateful Dead zu finden oder von anderen bedeutenden Bands aus der Zeit", sagt Parkman. Stattdessen aber handelt es sich bei den mehr als 30 Platten aus der Asche um Musik aus den vierziger und fünfziger Jahren - hauptsächlich Rumba und Jazz.

Die Erklärung ist ganz einfach: Der geschmolzene Plattenstapel gehörte einst Sandra Barton, mit 47 eine der Ältesten in der Kommune. Aus ihrem Besitz stammen wahrscheinlich auch die unverhältnismäßig vielen Schuhe - vor allem Stiefel -, die Parkman in den Containern fand. Bartons Raum befand sich im oberen Stockwerk, das beim Kollaps des Hauses in den darunterliegenden Speisesaal stürzte. Das ließ die Flammen ersterben.

Sehr persönlich ist sicher auch der Inhalt eines Medizinschränkchens, der die Katastrophe und die Jahrzehnte unbeschadet überstand. Darin lagen zwei Zahnbürsten, Zahnpasta, Gesichtscreme und eine Schachtel Aspirin. "Die Logos auf den Tuben und Dosen sind typisch für die Zeit", sagt Parkman, "aber Hinweise auf Drogenkonsum haben wir zum Beispiel in diesem Schränkchen gar nicht gefunden".

Die Aspirin dienten wohl bestenfalls dazu, die Kopfschmerzen nach dem Biergenuss zu lindern. Denn dass die Bewohner der Burdell-Villa davon reichlich tranken, ist aus den Dutzenden von leeren Dosen abzulesen.

Und noch eine archäologische Aussage lässt sich anhand des Dosenhaufens treffen: Die bevorzugten Marken der Blumenkinder waren Budweiser, Coors, Olympia und Busch.



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