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15. August 2019, 18:33 Uhr

Schwedische Aktivistin

Ist Greta Thunbergs Segelreise nach New York doch nicht klimafreundlich?

Damit Greta Thunberg in die USA segeln kann, sind laut einem Medienbericht mindestens sechs Langstreckenflüge nötig. Ihr Team gleicht allerdings seinen gesamten CO2-Ausstoß aus.

Die Segelreise der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg nach New York ist offenbar weniger klimafreundlich als angenommen. Wie aus einem Bericht der "taz" hervorgeht, entsteht durch den Transatlantik-Törn mit der Segeljacht "Malizia" mehr klimaschädliches CO2, als wenn sie mit ihrem Vater in die USA geflogen wäre.

Der Artikel beruft sich auf eine Aussage des Pressesprechers von Thunbergs deutschem Skipper Boris Herrmann. Demnach würden fünf Segler das Boot zurück nach Europa bringen, nachdem Thunberg mit der Crew in den USA angekommen sei.

Diese neue Besatzung für die Überführung des Bootes werde per Flugzeug in die USA reisen. Für die Organisation des Segeltörns, mit dem Thunberg eigentlich möglichst wenig Treibhausgase erzeugen wollte, sind also mindestens sechs Flüge geplant. Wäre Thunberg mit ihrem Vater allein per Flugzeug gereist, wären es vier gewesen.

Gegenüber dem SPIEGEL erklärte Herrmanns Sprecher, dass das Team der "Malizia" schon seit 2018 all seine klimaschädlichen Aktivitäten ausgleiche - inklusive sämtlicher Reisen. "Selbstverständlich kompensiert das Team 'Malizia' alle Flüge - und zwar nicht nur die, die jetzt im Zusammenhang mit Gretas Trip entstehen", sondern auch sämtliche Reisen zu Regatten. Im vergangenen Jahr habe das Team so 40 Tonnen neutralisiert, den zugehörigen Report werde es veröffentlichen. "Wir sind uns bewusst, dass so eine Kompensation unser Gewissen nicht reinwaschen kann und soll", sagte der Sprecher. "Es ist keine ideale Lösung, aber das Mindeste, was wir zum Ausgleich tun können."

Bei der CO2-Kompensation spenden CO2-Verursacher Geld an Organisationen wie atmosfair oder myclimate. Diese Anbieter finanzieren mit den Spenden klimafreundliche Projekte, deren CO2-Einsparung sie genau bemessen können. So kann die ausgestoßene Menge an Treibhausgasen etwa durch einen Flug mit der Einsparung verrechnet werden - und wird dann als ausgeglichen bezeichnet. Fraglich ist allerdings, ob Greta Thunberg dann nicht gleich selbst hätte fliegen und ihren CO2-Ausstoß direkt kompensieren können.

Die Schwedin will im September am Klimagipfel der Vereinten Nationen teilnehmen. Weil Flugreisen viel Kohlendioxid verursachen, hat sich die 16-Jährige für eine Anreise per Segelboot entschieden. Die "Malizia" ist mit Solaranlagen und Unterwasserturbinen zur Stromerzeugung ausgestattet.

Der Schwedin geht es darum, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen rapide zu senken, damit der Anstieg der globalen Erdtemperatur im Idealfall noch auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann. Bis heute hat sich die Temperatur bereits um knapp ein Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erhöht.

Die Welt müsse auf die Erkenntnisse der Forschung hören und im Kampf gegen die Klimakrise handeln, fordert Thunberg. "Das Fenster, um den globalen Temperaturanstieg unterhalb von 1,5 oder 2 Grad Celsius zu halten, schließt sich sehr schnell. Deshalb unternehme ich diese Reise", sagte sie. Wie die Schwedin zurück nach Europa reisen wird, steht noch nicht fest. Möglicherweise werde sie auf einem Containerschiff mitfahren, hieß es.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, auch der Pressesprecher fliegt zurück. Das ist nicht der Fall.

joe/dpa

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