Anreicherungsanlage Gronau 12.000 Tonnen Atommüll sollen nach Russland exportiert werden

Der Atommüll aus einer Urananreicherungsanlage im Münsterland wird wieder nach Russland gebracht. Dort lagerte hochgiftige Substanz vor zehn Jahren schon einmal - unter freiem Himmel.

Luftbild der Uran-Anreicherungsanlage Gronau
Bernd Thissen/ DPA

Luftbild der Uran-Anreicherungsanlage Gronau


Seit den Achtzigerjahren wird in der Urananreicherungsanlage Gronau im Münsterland Uranhexafluorid für Kernkraftwerke aufgearbeitet. Doch was mit der radioaktiven und hochgiftigen Substanz passieren soll, die in dem Werk in Nordrhein-Westfalen anfällt, darüber streiten Politiker und Umweltschützer schon lange.

Vor Jahren wurden Tausende Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid nach Russland gebracht. In Sibirien lagerte die aggressive Substanz in Fässern, die unter freiem Himmel standen. Nach öffentlichen Protesten wurden die Exporte schließlich gestoppt - das ist zehn Jahre her.

Doch nun wird der Giftstoff wieder per Zug nach Russland gebracht. Laut einem Bericht der "taz" habe das Betreiberunternehmen Urenco, an dem auch die deutschen Energieversorger Eon und RWE beteiligt sind, den Transport von 12.000 Tonnen abgereichertes Uran bis 2022 nach Russland vereinbart. Das gehe aus einer Anfrage der Linken an das Bundesumweltministerium hervor.

Zudem hätten seit Mai bereits die ersten sechs Transportzüge mit insgesamt knapp 3600 Tonnen Uranhexafluorid eine Anlage in Jekatarinburg erreicht. Dort wird das Uranhexafluorid zwar noch verarbeitet, aber mehr als drei Viertel des Stoffs verbleiben als Atommüll in Russland. Dabei ist der Giftstoff nicht als Atommüll ausgezeichnet, er wird als Wertstoff deklariert.

Der Linken-Abgeordnete Hubertus Zdebel kritisiert diese Exportgeschäfte. "Das Unternehmen rede immer schönfärberisch von Wertstoff. Dabei geht es bei dieser Neuauflage mit den Russland-Exporten offenkundig darum, dass erhebliche Mengen Atommüll in Russland billig entsorgt werden", schreibt er auf seiner Homepage.

Die Kritik weist das Umweltministerium zurück. Man habe keine rechtlichen Möglichkeiten, da der Export nicht genehmigungs-, sondern nur anzeigepflichtig sei, heißt es. Urenco selbst hatte sich nicht geäußert, kündigte aber eine Stellungnahme an.

Das Werk in Gronau ist die einzige kommerzielle Urananreicherungsanlage in Deutschland. Nicht zuletzt wegen des beschlossenen Atomausstiegs sorgte die weiter laufende Produktion für Ärger in der Koalition. Denn so fallen seit Jahren immer größere Mengen Atomabfall an, deren Lagerung nicht geklärt ist.

joe



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