Großbritannien Geschlechtskrankheiten unter Älteren boomen

Eine Folge von Viagra und Internet-Dating? Nach Erkenntnissen der britischen Gesundheitsbehörden haben immer mehr Briten über 45 mit Geschlechtskrankheiten zu tun. Das Problem: Diese Gruppe wird von Präventionskampagnen fast vollständig ausgeblendet.

London - Das Problem betrifft vor allem Männer. Nach Untersuchungen der britischen Gesundheitsbehörde HPA ist in der Altersgruppe über 45 Jahren die Zahl der beobachteten Fälle von Geschlechtskrankheiten massiv angestiegen.

Das ist interessant, weil normalerweise vor allem junge Menschen im Blickpunkt stehen, wenn es um Geschlechtskrankheiten geht - machen sie doch in absoluten Zahlen gerechnet den Großteil der Fälle aus. Deswegen richten sich Präventionskampagnen fast ausschließlich an junge Zielgruppen.

Doch zumindest in Großbritannien steigt der Anteil der Älteren mit Geschlechtskrankheiten, wie die HPA-Experten herausgefunden haben. Sie hatten sich nach einem Bericht der BBC in den Krankenhäusern der Region West Midlands umgesehen. In den Jahren zwischen 1996 und 2003 habe sich dort die Zahl der registrierten Fälle von Geschlechtskrankheiten mehr als verdoppelt: von 16,7 auf 36,3 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Insgesamt 4445 Fälle habe man registriert. Vor allem Genitalwarzen seien stark vertreten gewesen. Die Experten erklärten, Internet-Kontaktbörsen und Medikamente wie Viagra seien für den Boom verantwortlich. Immer mehr ältere Menschen lebten inzwischen als Singles. Sie würden offensichtlich ebenso zu riskantem Sex neigen wie jüngere. Dazu käme, dass Kondome seltener genutzt würden - möglicherweise, weil das Risiko einer Schwangerschaft nicht mehr existiere. "Sex ist nicht die Domäne der Jugend und Gonorrhö und Syphilis kümmern sich nicht um das Alter", sagte Lisa Power von der Aidshilfeorganisation Terrence Higgins Trust.

"Die Situation ist in vielen Industrieländern ähnlich", sagte Osamah Hamouda vom Robert Koch Institut (RKI) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Seit etwa dem Jahr 2000 stiegen die Fallzahlen wieder an. Das RKI erfasst allerdings nur HIV-Infektionen und Syphilis. "Die Gründe für den Anstieg sind nicht ganz einfach festzumachen", sagt Hamouda. Eine wichtige Rolle spielten aber homosexuelle Männer, bei ihnen falle der Zuwachs besonders deutlich aus.

chs

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