Großbritannien Römische Statuen bei Bauarbeiten für Schnellzug-Strecke entdeckt

Bei Ausgrabungen im englischen Stoke Mandeville sind Archäologinnen und Forscher auf drei Steinstatuen aus der Römerzeit gestoßen. Die Relikte sind »außergewöhnlich gut« erhalten.
Eine Archäologin präsentiert den Fund: Bei Ausgrabungen wurde der sehr gut erhaltene Kopf einer römischen Frauenstatue entdeckt

Eine Archäologin präsentiert den Fund: Bei Ausgrabungen wurde der sehr gut erhaltene Kopf einer römischen Frauenstatue entdeckt

Foto: Hs2 / dpa

Auf einer Baustelle in einer englischen Ortschaft haben Archäologen und Archäologinnen außergewöhnlich gut erhaltene Statuen aus der Römerzeit gefunden. Bei den Ausgrabungen in Stoke Mandeville, nordwestlich von London, seien verschiedene Artefakte entdeckt worden, teilten die Forscherinnen und Forscher mit: Sie förderten den Kopf und den Rumpf von zwei Erwachsenenstatuen – einer Frau und einem Mann – zutage. Außerdem konnten sie den Kopf einer Statue, die ein Kind darstellen soll, aus der Erde bergen.

Ein Blick in »Gesichter der Vergangenheit«

»Die Statuen sind außergewöhnlich gut erhalten, und man bekommt wirklich eine Vorstellung von den Menschen, die sie darstellen«, sagte eine der Grabungsleiterinnen, Rachel Wood. Es sei eine »einzigartige Erfahrung, buchstäblich in die Gesichter der Vergangenheit zu schauen«.

Der Torso einer römischen Statue

Der Torso einer römischen Statue

Foto: Hs2 / dpa

Die Grabungen fanden in den Ruinen einer normannischen Kirche statt, wo ein archäologisches Forschungsteam seit sechs Monaten arbeitet. Die Kirche Saint Mary's wurde nach Angaben der britischen Zeitung »The Guardian«  im Jahr 1080 erbaut. Nach mehrfachen Renovierungen in verschiedenen Jahrhunderten sei sie 1880 aufgegeben und 1966 abgerissen worden. Die Ruinen wurden von der Vegetation überwuchert.

Experten gehen davon aus, dass das Gebiet als römisches Mausoleum genutzt wurde, bevor die normannische Kirche gebaut wurde.

Die Grabungsleiterin Wood sagte, die Entdeckung der Statuen und des Kruges führe zu der Frage, »was sonst noch unter Englands mittelalterlichen Dorfkirchen begraben sein könnte«.

Gebaut wird eine Schnellstrecke

Der eigentliche Grund für die Grabungen ist der Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke: Die Arbeiten am Bahnprojekt »High Speed Two« hatten im April 2020 begonnen. Die neue Schnellstrecke soll die Hauptstadt London mit Zielen in Mittel- und Nordengland verbinden. Das Großprojekt ist wegen der hohen Kosten umstritten – die Ausgaben könnten sich auf mehr als 112 Milliarden Euro summieren.

Blick auf die Ausgrabungsstelle in der St. Mary's Church

Blick auf die Ausgrabungsstelle in der St. Mary's Church

Foto: Hs2 / dpa

Nach Angaben des Archäologen Mike Court, der im Auftrag der Projektgesellschaft die Ausgrabungen koordiniert, stellen die in Stoke Mandeville entdeckten Statuen nur einen kleinen Teil der »unglaublichen Artefakte« dar, die bei den Bauarbeiten gefunden wurden.

Die Ausgrabungsstücke, zu denen auch ein sehr gut erhaltener römischer Glaskrug und Tongefäße gehören, sollen nun in einem Labor gesäubert und untersucht werden. Ihr endgültiger Bestimmungsort steht noch nicht fest.

vki/AFP