Großveranstaltungen Drängeln im Dienst der Forschung

Stau, Panik, tödliches Gedränge - auf Veranstaltungen kann Platznot zur gefährlichen Falle werden. Wie lässt sich eine Massenpanik wie bei der Loveparade 2010 verhindern? In Düsseldorf wird das nun erforscht, mit Hunderten Probanden und künstlichen Engstellen.
Am Hut-Code eindeutig zu unterscheiden: Hunderte Probanden werden durch einen Parcours in Düsseldorf geschleust

Am Hut-Code eindeutig zu unterscheiden: Hunderte Probanden werden durch einen Parcours in Düsseldorf geschleust

Foto: Oliver Berg/ DPA

Wer verstehen will, wie Menschenmassen sich verhalten, braucht einen umfangreichen Versuchsaufbau: In der Düsseldorfer Messehalle haben am Mittwochmorgen Experimente mit 350 Probanden begonnen, in den nächsten Tagen sollen es bis zu 1000 werden. Die Versuchsteilnehmer müssen einen künstlichen Parcours durchqueren, wobei jede ihrer Bewegungen aufgezeichnet und analysiert wird.

Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich wollen so herausfinden, wie bedrohliche Staus und lebensgefährliches Gedränge in Menschenmassen entstehen. Und sie wollen wissen, wie viel Platz ein Mensch in einem Strom ohne Gegenverkehr benötigt, damit alles reibungslos läuft. In ihren Modellen gehen die Forscher von fünf bis sieben Quadratmetern aus. Mit dem Ergebnis sollen Sicherheitskräfte abschätzen können, ob der vorgesehene Platz für die kalkulierten Besucher reicht, sagte der Jülicher Forscher Armin Seyfried.

In der Messehalle wurde dafür eine künstliche Kreuzung aufgebaut, abgegrenzt von großen Kunststoffquadern. Von allen vier Seiten sollten die Versuchsteilnehmer auf die Kreuzung zulaufen und diese überqueren. Wer sich dabei wie verhielt, zeichneten 24 Kameras unter der Hallendecke auf. Jeder Proband lässt sich auf dem Filmmaterial anhand eines eindeutigen Codes auf seinem Hut wiedererkennen.

Wissenschaftler der Universität Siegen testen dabei zum ersten Mal den Einsatz digitaler und animierter Grafiken und Schilder. Bei einem Stau sollen sie eingeschaltet werden und den Fußgängern die Bewegungsrichtung anzeigen, um den Stau aufzulösen. Dann lautet die zentrale Frage, ob sich die Probanden auch im Gedränge an die Schilder halten - oder ob ihr Fluchtinstinkt so stark ist, dass sie sich darüber hinwegsetzen.

Das Projekt ist Teil der vom Bund geförderten Forschung BaSiGo" zur Sicherheit von Großveranstaltungen. Bei der Loveparade vor drei Jahrn in Duisburg waren im tödlichen Gedränge auf einer Zugangsrampe 21 Menschen gestorben, mehr als 500 wurden verletzt.

che/dpa
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