Ground Zero Helfer atmeten giftigen Nebel

Eine Untersuchung der Dämpfe, die aus den brennenden Trümmern des World Trade Center strömten, hat die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Die Helfer, die am Ort der Katastrophe wochenlang oft ohne Schutzgeräte arbeiteten, atmeten eine hochgiftige Mixtur.

"Der Trümmerhaufen funktionierte wie eine Chemiefabrik", erklärte Thomas Cahill, Professor an der University of California in Davis, bei der Vorstellung der Studie in New York. "Die Bestandteile der Gebäude und ihres Inhalts, inklusive einer enormen Zahl von Computern, wurden buchstäblich gekocht."

Dabei seien mindestens sechs Wochen lang Gase mit giftigen Metallen, Säuren und organischen Stoffen freigesetzt worden. Bis zum 19. Dezember 2001 hätten die Trümmer gebrannt. Für die Studie hatten Cahill und sein Team zwischen dem 2. und 30. Oktober 2001 mehr als 8000 Luftproben im Umkreis von einer Meile (rund 1,6 Kilometer) rund um "Ground Zero" gesammelt.

Die gute Nachricht für die Bevölkerung New Yorks ist, dass die giftigen Gase durch die Hitze des Trümmerhaufens schnell in höhere Schichten der Atmosphäre geblasen wurden. Deshalb, so die Forscher, habe sich die Belastung auf die unmittelbare Umgebung des WTC beschränkt.

Schlechte Nachricht für die Helfer

Das allerdings ist zugleich eine schlechte Nachricht für die Helfer, die wochen- und monatelang am Katastrophenort arbeiteten - und zwar allzu oft mit unzureichenden oder keinerlei Schutzgeräten. Das chemische Gebräu, dem sie ausgesetzt waren, war nach den neuen Erkenntnissen wahrscheinlich schädlicher und definitiv komplexer als bisher befürchtet.

"Als die Türme brannten und einstürzten, wurden Tonnen von Beton, Glas, Möbeln, Teppichen, Dämmstoffen, Computern und Papier in äußerst sauerstoffarme Trümmerberge verwandelt", sagte Cahill. "In diesem heißen Haufen reagierten einige der Baustoffe mit organischem Material und dem reichlich vorhandenen Chlor aus dem Papier und dem Plastik und drangen als metallreiche Gase an die Oberfläche." Die Dämpfe hätten sich dann zum Teil in feine Partikel aufgelöst, die tief in die Lunge eindringen können. Cahill sprach von "brutalen" Bedingungen für die Helfer vor Ort.

Die Forscher identifizierten vier potenziell gesundheitsschädliche Partikel-Sorten:

  • Metalle, die auf die Lungenchemie einwirken können,
  • Schwefelsäure, die Wimpern und Lungenbläschen direkt angreift,
  • Feine, nicht lösliche Glaspartikel, die durch die Lunge in die Blutbahn und das Herz eindringen können,
  • Heiße organische Materialien, von denen viele krebserregend sind.

Die Mixtur aus den Trümmern war nach Angaben der Forscher ein Novum. Eine Verbindung namens 1,3-Diphenylpropan etwa sei noch nirgendwo angetroffen worden. Sie entstand vermutlich durch enormen Druck und Hitze und gilt mittlerweile als chemisches Markenzeichen der Terroranschläge von New York.

Wissenschaftler nahmen die Ergebnisse der Studie erneut zum Anlass für Kritik an den Behörden, die durch laxe Kontrollen am "Ground Zero" die Helfer unnötig in Gefahr gebracht hätten. Die Informationspolitik der Behörden ist seit Ende vergangenen Monats ein Politikum. Ein interner Bericht der Umweltschutzbehörde EPA ergab, dass das Weiße Haus die EPA unmittelbar nach den Anschlägen gedrängt hatte, die Luft am Katastrophenort für sicher zu erklären und gegenteilige Erkenntnisse zu verschweigen.

Mehr lesen über