H5N1-Virus Vogelgrippe verbreitet sich in der EU

Nach ersten Fällen in Italien, Griechenland und Bulgarien ist am Sonntag auch bei einem Schwan in Slowenien ein Virus des H5-Typs nachgewiesen worden. Die Bundesregierung sieht noch keinen Anlass zu besonderen Maßnahmen.


Nach den ersten Vogelgrippe-Fällen in Italien, Griechenland und Bulgarien ist auch bei einem Schwan in Slowenien ein Erreger der H5-Gruppe festgestellt worden. Ob es sich um den auch für Menschen gefährlichen Virenstamm H5N1 handele, sei noch unklar, teilte die EU-Kommission am Sonntag in Brüssel mit. Das slowenische Labor für Vogelgrippe habe seine Proben zu weiteren Tests an das EU-Referenzlabor im britischen Weybridge geschickt.

Vogelgrippe in Griechenland: Das H5N1-Virus wurde erstmals bei Tieren in der EU nachgewiesen.
AFP

Vogelgrippe in Griechenland: Das H5N1-Virus wurde erstmals bei Tieren in der EU nachgewiesen.

Die slowenische Regierung verpflichtete sich, sofort strenge Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Im Umkreis von drei Kilometern um den möglichen Seuchenherd wird eine Sicherheitszone eingerichtet. Dort muss Geflügel in den Ställen bleiben. Im Umkreis von zehn Kilometern müssen die Bauern strenge Hygienemaßnahmen einhalten.

Auch die Regierungen in Italien, Griechenland und Bulgarien hatten am Samstag nach Laboruntersuchungen an tot aufgefundenen Schwänen den Einzug der Vogelgrippe bestätigt. Die italienischen und griechischen Behörden richteten am Wochenende Kontrollzonen um die Fundorte ein und bemühten sich, die Bevölkerung zu beruhigen.

Seuchenexperten der Europäischen Union wollen auf einem Krisentreffen am Donnerstag und Freitag in Brüssel über Abwehrmaßnahmen gegen das Virus beraten.  Fachleute halten die Ausbreitung des Erregers für unwahrscheinlich, da das Virus bei Wild- und nicht bei Nutztieren entdeckt wurde.

Die Bundesregierung sieht noch keinen Anlass für besondere Maßnahmen. "Wir beobachten die Situation sehr genau", sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums am Samstag in Berlin. Allerdings gebe es keinen Grund für besondere Schutzmaßnahmen. Sie verwies darauf, dass mögliche Einschränkungen für den Geflügelimport Sache der EU seien.

Bisher keine Zuchttiere infiziert

Außerdem sei das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus vom Typ H5N1 bei Wildgeflügel und nicht Nutzgeflügel entdeckt worden. Wenn das Auftauchen der Vogelgrippe jedoch näher an deutsches Staatsgebiet rücke, werde über ein Vorziehen der Pflicht zum Halten von Geflügel in Ställen nachgedacht, sagte die Sprecherin.

Ressortchef Horst Seehofer hat bereits angekündigt, dass ab 1. März Nutzgeflügel für mindestens zwei Monate in Ställen gehalten werden muss, um Ansteckungen über Wildtiere während des Vogelzugs vorzubeugen.

Italiens Gesundheitsminister Francesco Storace sagte, bei den meisten der 21 tot aufgefundenen Schwäne in den südlichen Regionen Apulien, Kalabrien und Sizilien sei das H5N1-Virus nachgewiesen worden. Die Nachricht löste im ganzen Land Besorgnis aus. 

Politiker und Experten versuchten die Menschen zu beruhigen: Da es sich bei den toten Tieren um wilde Schwäne und nicht um Zuchttiere gehandelt habe, sei eine Ausbreitung des Virus in Italien höchst unwahrscheinlich, hieß es. Auch könnten die Menschen weiterhin unbesorgt Hühnerfleisch verzehren, betonte Gesundheitsminister Francesco Storace: "Es gibt gute Gründe, die Ruhe zu bewahren", sagte er.

"Die Kontrollen funktionieren und wir verfügen über alle notwendigen Instrumente, um weitere Probleme zu verhindern", zitierte die Zeitung "Corriere della Sera" am Sonntag den Minister.

Die Helfer von Naturschutzorganisationen, die die toten Schwäne gefunden hatten, würden eingehend untersucht und seien vorübergehend unter Quarantäne gestellt worden. Jedoch habe keiner von ihnen Anzeichen einer Erkrankung. Wahrscheinlich seien die Tiere wegen der anhaltenden Kälte in den Balkanstaaten nach Italien gekommen. "Eis und Hunger verjagen die Vögel - die Migrationswege ändern sich", berichtete die Zeitung "La Repubblica" am Sonntag.

Milde Form des Virusstamms

Die Untersuchungen in Italien werden fortgeführt. Unter anderem solle herausgefunden werden, um welche Form von H5N1 es sich genau handele, sagte Minister Storace. Von den regionalen Gesundheitsbehörden hatte es zuvor geheißen, bei den Schwänen könnte es sich um Zugvögel aus Russland handeln. Bisherige Tests in einem Labor auf der Insel hätten eine "milde Form" des H5N1-Virusstamms gezeigt.

Das griechische Landwirtschaftsministerium teilte mit, Untersuchungen im englischen Speziallabor Weybridge hätten bei drei Schwänen das H5N1-Virus bestätigt, die nahe der nordgriechischen Stadt Saloniki tot aufgefunden worden waren. Auf der griechischen Insel Skyros wurde unterdessen eine Wildgans positiv auf einen Vogelgrippe-Erreger vom Typ H5 getestet.

An der Vogelgrippe sind in Asien und der Türkei nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher mindestens 88 Menschen gestorben. In Asien wurden mehr als 140 Millionen Vögel wegen des Verdachts der Vogelgrippe geschlachtet oder verendeten.

Die Weltgesundheitsorganisation hat angesichts der jüngsten Fälle die verstärkte Überwachung von Mensch und Tier gefordert. Bei Grippesymptomen von Patienten sollen Krankenhäuser nachfragen, ob sie mit kranken Vögeln in Kontakt getreten seien, sagte ein Sprecher der WHO am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass sie keinen Kontakt zu kranken Vögeln haben sollen", sagte er. Eine höhere Warnstufe werde nicht ausgerufen. "Wenn das Virus in einem neuen Land auftaucht, heißt das nicht, dass die Pandemie begonnen hat. Es heißt, dass die Tierkrankheit sich ausbreitet."

In China und Indonesien fielen erneut drei Menschen der Vogelgrippe zum Opfer. Nach Regierungsangaben vom Samstag starb in der chinesischen Provinz Hunan eine 20-Jährige an dem gefährlichen Virustyp H5N1. Sie sei die achte Vogelgrippetote in China gewesen. Die Behörden in Indonesien meldeten am Samstag den Tod einer 27- jährigen Frau und eines 23-jährigen Mannes. Sollte die WHO das bestätigen, wären in Indonesien 19 Menschen an Vogelgrippe gestorben.

Weltweit erlagen bislang mehr als 80 Menschen der Krankheit. Am stärksten betroffen ist Vietnam, wo seit Ausbruch der Seuche Ende 2003 mehr als 40 Menschen an dem Virus starben.

cpa/dpa/ap/reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.