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05. Januar 2006, 07:05 Uhr

H5N1-Virus

Zwei Kinder in der Türkei an Vogelgrippe gestorben

Es sind die ersten Toten durch die Vogelgrippe außerhalb Chinas und Südostasiens: Nach einem 14-jährigen Jungen ist im Osten der Türkei auch dessen Schwester an der Tierseuche gestorben. Bei beiden wurde das gefährliche H5N1-Virus festgestellt.

Istanbul - Wie der Nachrichtensender CNN-Türk am Morgen berichtete, starb nun auch die Schwester des 14-jährigen Jungen, der bereits am Sonntag der Tierseuche erlegen war. Beide stammten aus Dogubeyazit an der türkisch-iranischen Grenze. Sie waren zusammen mit zwei jüngeren Geschwistern in die Universitätsklinik des osttürkischen Van gebracht worden. Erst gestern Abend hatten die türkischen Behörden bestätigt, dass der Junge doch an der Vogelgrippe gestorben war. Zunächst war eine Lungenentzündung als Todesursache angegeben worden.

Mädchen aus dem türkischen Ort Dogubeyazit: Vogelgrippe-Verdacht bei mehreren Menschen
AFP

Mädchen aus dem türkischen Ort Dogubeyazit: Vogelgrippe-Verdacht bei mehreren Menschen

Wie der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag mitteilte, seien Proben für Tests an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und an Labors in Großbritannien geschickt worden. Ein WHO-Experte sagte, es sei "ziemlich sicher, dass es unglücklichweise ein Fall von H5N1 beim Menschen ist". Es ist das erste Mal, dass der gefährliche Vogelgrippe-Erreger außerhalb von Südostasien und China Menschen getötet hat.

Die Kinder waren zusammen ins Krankenhaus gebracht worden waren. In einem dritten Fall sei der Befund nicht eindeutig positiv ausgefallen. Im Krankenhaus von Van würden gegenwärtig insgesamt zehn Patienten mit Verdacht auf Vogelgrippe behandelt, berichtete CNN-Türk. In der Türkei war die Vogelgrippe erstmals im Oktober aufgetreten.

In dem Gebiet in der Nähe eines Vogelschutzgebietes im Westen des Landes waren mehr als 10.000 Puten, Enten, Hühner und anderes Geflügel vorsorglich getötet worden. Obwohl in diesem Fall das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen worden war, waren Menschen dort nicht infiziert worden.

In Asien sind seit 2003 mehr als 70 Menschen an der Vogelgrippe-Variante H5N1 gestorben. Wissenschaftler befürchten, das Virus könne sich verändern und von Mensch zu Mensch übertragen werden, was eine weltweite Seuche mit möglicherweise Millionen von Toten auslösen könnte.

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