Halloween Warum wir uns so gerne fürchten

An Halloween feiern Menschen ihre Angstträume. Hirnforscher haben ergründet, warum der Grusel das Gehirn so intensiv beschäftigt - und gelegentlich erfreut.

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Die Rangliste der Albträume, die Menschen verfolgen: Kinder träumen am häufigsten von Aggression und Gewalt (45 Prozent), Unfällen (29), Verfolgungsjagden (23) und Katastrophen (4).

Erwachsene erleben immer wieder Albträume von Flucht und Verfolgungsjagden (26 Prozent), Gewalt (20), Körperanomalien (17) und Misserfolgen (7).

Wiederkehrende Träume mit positiven Themen haben Mädchen und Frauen wesentlich häufiger als Jungen und Männer.

An Halloween feiern Menschen gewissermaßen ihre Verbindung mit ihren Angstträumen. Warum der Grusel das Gehirn so intensiv beschäftigt und gelegentlich auch erfreut, haben Hirnforscher ergründet.

Ein markerschütternder Schrei, ein heranfliegender Stein - Menschen reagieren instinktiv auf potenzielle Bedrohungen, ducken sich weg, schützen den Kopf mit den Armen. Hierbei hilft die Amygdala, das aus einem Bündel Neuronen bestehende, mandelförmige Angstzentrum über dem Stammhirn.

Sofort nach dem Eintreffen der sensorischen Reize im Thalamus gelangen sie an die Amygdala und werden von dort aus weitergeleitet - auf zweierlei Wegen.

Entlarvter Fehlalarm

Der schnellere der beiden Wege funktioniert wie der Bewegungsmelder einer Alarmanlage und setzt spontan Reaktionen im ganzen Körper in Gang. Erstarren, Fliehen oder Kämpfen sind die Optionen, die je nach Bedrohung folgen. Und zwar noch bevor beispielsweise der heranfliegende Stein genau identifiziert wird.

Das Signal der Sinnesreize gelangt aber auch über einen Sekundenbruchteile langsameren "Umweg" zum sensorischen Kortex. Dieser Hirnbereich verschafft ein einordnendes, klareres Bild über die potenzielle Bedrohung - und verstärkt dann die Abwehrreaktion oder entlarvt sie als Fehlalarm.

Die Erwartung, dass uns Schlimmes zustoßen kann, setzt eine chemische Kaskade in Gang. Vor allem über den Botenstoff Glutamat werden Alarmsignale in andere Hirnteile wie den Hypothalamus und dann in den Körper gestreut.

Das Nebennierenmark stößt große Mengen des aufputschenden Stresshormons Adrenalin aus, der Blutzuckerspiegel steigt, das Herz schlägt schneller und die Handinnenflächen werden feucht.

Bleibt das Schlimmste dann aber aus, strömt das beruhigende Wohlfühlhormon Endorphin durch den Körper. Dieser Hormonmix ist es wohl auch, den viele Menschen am Gruselgefühl mögen.

Von Andrea Barthélémy, dpa/boj



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